Der Director theilte dem kleinen, lebendigen Fremden auch ganz aufrichtig seine eigenen Ansichten über den Recensenten mit; weshalb sollte er sich auch geniren? Strohwisch kostete ihm überhaupt jährlich viel Geld, und Jeremias begriff zuletzt nur das nicht, wie man sich noch mit einem solchen Menschen abgeben und in persönlichem Verkehr mit ihm stehen konnte.

»Lieber Gott,« sagte der Director, »was will ich dagegen thun? Soll ich mir mein ganzes Theater fortwährend schlecht machen lassen? Das Publikum bekäme doch zuletzt, wenn es das alle und alle Tage hörte und läse, einen Widerwillen dagegen und ginge mir schließlich gar nicht mehr hinein; deshalb zahle ich ihm das Blutgeld und stopfe ihm das Maul.«

»Also wann ist Fiesco?«

»Nächsten Mittwoch; wenn Sie etwas thun könnten – aber um Gottes willen, ohne daß es Rebe erführe, denn er würde die ganze Geschichte verderben –, so wäre es mir sehr angenehm, und auf meine Unterstützung dürfen Sie rechnen.«

»Aber in welcher Art?«

»Ich will Ihnen sagen, was ich fürchte,« erwiderte Krüger. »Ich fürchte, Strohwisch wird Anstalten getroffen haben, Herrn Rebe das nächste Mal auspfeifen zu lassen; er hat mir genau dasselbe schon einmal gemacht.«

»Aber das Publikum wird sich das nicht gefallen lassen.«

»Lieber Gott, alle Menschen erfreuen sich zuweilen an einem Skandal,« sagte Krüger, »und wenn nur drei oder vier in derartigen Arbeiten geschickte Leute vortheilhaft im Parterre placirt sind, so finden sie überall ein paar nichtsnutzige Jungen, die ihnen helfen. Sie glauben gar nicht, wie das Pfeifen ansteckt.«

»Hurrjeh,« sagte Jeremias, »vielleicht käme er selber hinein; wenn ich nur dann in der Nähe wäre!«

»Er selber würde sich wahrscheinlich ruhig verhalten, aber das Ganze dirigiren.«