»Aber, bester Herr Graf!«

»Gehen Sie nur voran,« lächelte dieser, »denn escortiren möchte ich mich nicht gern lassen; ich folge Ihnen aber augenblicklich.«

Er zog sich zurück, denn einige der Zuschauer, die vielleicht gehofft hatten, daß irgend ein gewaltsames Einschreiten oder sonst ein amüsanter Zwischenfall eintreten könne, preßten näher. Das Rathhaus war nicht weit entfernt, und nachdem die beiden Feinde, nicht gerade zur Erbauung des ziemlich bös zugerichteten »Doctors«, noch eine Weile in dem Vorsaal hatten warten müssen, da gerade ein Dienstmädchen wegen versuchten Diebstahls verhört wurde, kamen sie endlich vor.

Die Verhandlung war übrigens eine kurze; Jeremias, der vorher seinen Vor- und Zunamen wie überhaupt eine kurze Lebensbiographie zu Protokoll geben und erklären mußte, daß er noch nie vor Gericht gestanden, leugnete nicht, den Doctor Strohwisch zuerst angefaßt und geprügelt zu haben, und da Graf Rottack jetzt ebenfalls vorgelassen wurde und erklärte, Bürgschaft für das Erscheinen des Herrn vor Gericht leisten zu wollen, so wurde der Delinquent entlassen.

Der Doctor, eine allbekannte Persönlichkeit in Haßburg, blieb noch oben, um seine Klage gegen den Überfall zu formuliren und gleich aufnehmen zu lassen.

»Aber nun sagen Sie mir um Gottes willen, Jeremias,« rief Rottack, als sie wieder zusammen auf der Straße waren, »was hat Sie denn zu einem solchen Gewaltstreich bringen können? Wir sind doch hier nicht mehr in Brasilien!«

»Mein lieber Herr Graf,« sagte der kleine Mann und schämte sich jetzt ein wenig der Rolle, die er gespielt, »Sie haben Recht – ich hätt's nicht thun sollen, aber die Galle lief mir über. Der Mensch war ein Recensent, und – da hab' ich noch einmal den Hausknecht herausgekehrt; aber ich verspreche es Ihnen, es soll zum letzten Mal geschehen sein, denn ich darf Ihnen doch keine Schande machen!«

»Und was, beim Himmel, haben Sie mit den Recensenten zu thun?« lachte Graf Rottack.

»Das ist weitläufig, das erzähle ich Ihnen ein andermal. Und wie geht es der Frau Gräfin?«

»Sie ist unwohl,« seufzte Felix; »manches Leid verwandter Freunde hat sie tief betroffen und angegriffen. Aber von Ihnen selber weiß ich gar nichts weiter, seit wir uns bei jenem Fräulein – wie hieß sie doch gleich?«