»Hm,« meinte er dann, als ob in der Antwort nicht das geringste Außergewöhnliche gelegen hätte, »das ist dann freilich etwas Anderes. Schade, aber wenn's nicht ist, ist es nicht – Sie hätten indeß ein schön Stück Geld verdienen können!«
»Bah,« sagte Herr Walther verächtlich, und kaute das nicht ganz zarte Stück Rindfleisch, »was Ihr schön Stück Geld nennt – frei Entrée und einen halben Gulden Klopfgeld. Die andere Seite ist bequemer, dabei kann ich die Hände in den Taschen behalten.«
»Ja, halben Gulden,« lachte Peters, »da wäret Ihr dieses Mal schön angekommen – mit halben Gulden wird sich nicht befaßt, aber, wie gesagt, wenn's nicht ist, ist es nicht,« und dabei fiel er wieder über das Rindfleisch her.
Herr Walther saß ihnen eine Zeit lang schweigend gegenüber und sein Blick streifte dabei ein paar Mal Jeremias. Daß der mit darunter stak, hatte er im Nu weg, und der Mann sah noch dazu aus, als ob er zahlen könne. Er trank sein Bier aus.
»Kellner, unsere Gläser sind leer!« sagte Jeremias, und Peters nickte bestätigend mit dem Kopf. Der Riese machte eine halbe Verbeugung gegen den kleinen Mann, als Anerkennung seines Verdienstes um das öffentliche Wohl, nahm aber das Gespräch nicht wieder auf und schien die Sache an sich kommen zu lassen. Peters aber sagte auch nichts weiter, eine höchst überflüssige Bemerkung ausgenommen, daß er heute einen entsetzlichen Durst habe, und trank stark dabei.
»Kellner, unsere Gläser sind leer!« rief Jeremias wieder nach einer gar nicht etwa so langen Pause.
»Bitte,« sagte dieses Mal Herr Walther, schob aber doch dem Kellner sein geleertes Glas hin. Die Stille wurde ihm aber unheimlich – mit Essen waren sie fertig. Jeremias nahm seine Cigarrentasche heraus, zündete sich eine Cigarre an und offerirte dieselbe dann dem Gegenübersitzenden und Peters. Beide Herren acceptirten.
»Donnerwetter,« sagte Peters, »das ist 'was Feines – allen Respect!«
»Ausgezeichnet,« bemerkte Herr Walther, und blies den Rauch mit Kennermiene durch die Nase. Sein vis-à-vis stieg augenscheinlich in seiner Achtung; Strohwisch rauchte nichtswürdige Cigarren.
Der kleine Jeremias war aber ein praktischer Geschäftsmann und fühlte, daß jetzt die beiden würdigen Leute viel besser mit einander zu Stande kommen würden, wenn er nicht dabei wäre. Seine Gegenwart störte mehr, als daß sie half. Er stand auf und sagte: »Ach, lieber Herr Peters, Sie entschuldigen mich wohl; ich habe noch in der Nachbarschaft etwas zu thun und hole Sie in einer Viertelstunde wieder ab, berichtigt ist Alles – habe die Ehre« – und dabei drückte er dem Theaterdiener noch einen Zehngulden-Schein in die Hand, aber so, daß Herr Walther Zeuge der Bewegung sein mußte. Dann machte er einen kleinen Spaziergang, und zwar eine volle Viertelstunde. Als er aber wieder in die Schenke zurückkehrte, fand er Peters allein vor, der mit freudestrahlendem Gesicht hinter einem frischen Kruge Bier saß.