»So weit ist's noch nicht,« beruhigte ihn Frank, »aber wenn Ihr noch einen Tropfen Branntwein trinkt, steh' ich Euch für nichts.«
»Ja, jetzt hat's der Branntwein gethan,« nickte der Alte vor sich hin. »Daß Ihr Doctoren doch immer genau wißt, woher es kommt, aber nie, wohin es geht! Ich merke schon, wie die Geschichte ist, faul, überfaul, und...« Er biß vor Schmerz die Zähne aufeinander und fiel, während der Arzt die geöffnete Wunde wieder verband, auf sein Kissen zurück.
So lag er wohl eine halbe Stunde. Der Arzt war fortgegangen, und die alte Wärterin, die ihn pflegen mußte, da man dem Kind im Hause das nicht Alles überlassen konnte, war hinunter in die Küche gestiegen, um sich ihr Mittagessen zu bereiten. In der Zeit mußte dann immer des alten Jonas Enkelin bei ihm sitzen, um die Wärterin rufen zu können, wenn er etwas verlangte, oder ihm selber vielleicht eine kleine Handreichung zu thun.
Der Verwundete hatte eine Weile still gelegen Und auf seine Decke niedergestarrt. Endlich sagte er leise:
»Bärbel!«
»Ja, Herr Fritz,« antwortete die Kleine, welche am Fenster stand und auf die grünen Büsche hinausschaute, »wollt Ihr Wasser? Ich habe frisches mit heraufgebracht.«
»Nein, Kind, jetzt nicht,« antwortete der alte Maulwurfsfänger; »aber willst Du mir einen recht großen Dienst erweisen?«
»Ich darf Euch keinen Branntwein wieder bringen,« sagte die Kleine erschreckt; »der Herr Doctor hat so mit mir gezankt.«
»Das sollst Du auch nicht, Kind,« lautete die matte Antwort; »den letzten in diesem Leben werde ich wohl getrunken haben. Hast Du mir nicht gesagt, daß Du jeden Tag zur Frau Gräfin hinaufgehst und ihr Blumen bringst?«
»Ja, Herr Fritz, wenn die alte Rosie wieder zu Euch heraufkommt, gehe ich gleich. Großvater hat sie schon abgepflückt – immer Mittags.«