»Gewiß; das ist nichts Böses.«
»Und Du sprichst mit keinem Menschen darüber?«
»Ich will's Keinem sagen, ich verspreche es Euch, und was man verspricht, muß man halten, meinte die Mutter selig immer.«
»Ich danke Dir, Bärbel; ich werd's Dir auch gedenken. Geh jetzt mit Deinen Blumen, je früher Du hinauf auf's Schloß kommst, desto besser; denn – wer weiß, wie lange es noch mit mir dauert.«
»Aber ich kann doch jetzt nicht fort, bis die Rosie wieder heraufkommt.«
»Geh nur, Kind, ich brauche jetzt nichts; ich schlafe so lange, und da ist's besser, wenn ich Ruhe habe.«
Die Kleine zögerte einen Augenblick. Es war ihr nicht recht, daß sie ihre Pflicht versäumen solle – aber der Kranke bat sie so sehr.
»Ich will der Rosie sagen, daß sie dann und wann einmal heraufguckt, und der Großvater muß auch gleich heimkommen,« nickte sie, band den Ring dann in ihr kleines Taschentuch, daß sie ihn ja nicht verlor, und stieg die Treppe hinab, um den Auftrag auszuführen. –
In ihrem Zimmer am offenen Fenster stand die Gräfin Monford in Trauer gekleidet und sah gedankenvoll auf das freundliche Landschaftsbild hinaus, das sich, jetzt freilich unbeachtet, unbewundert, vor ihr entfaltete. Aber wie auch ihr Herz gebrochen sein mochte, ihr Stolz war es nicht, ja, es schien weit eher, als ob er sich durch die furchtbaren Verluste, die sie erlitten, noch mehr gehärtet, noch unzugänglicher diese Brust einem wärmeren Gefühl gemacht habe.
Während ihres Gatten Krankheit waren noch zwei Briefe an diesen eingelaufen, und zwar von Handor selber an den Grafen adressirt, doch ohne nur einen Aufenthaltsort anzugeben, und so frech und unverschämt nur Geld, große Summen für sich fordernd, ja, sogar mit Drohungen im Falle der Weigerung gefüllt, daß die Gräfin sie im auflodernden Zorn zerstörte. Und dieses Menschen wegen hatte die eigene Tochter ihre Eltern verlassen!