Kein Schmerz lag auch jetzt in den Zügen der finstern Frau; das war Trotz allein, starrer, unbeugsamer Trotz dem Schicksal gegenüber, und während ihr thränenloses Auge unter den zusammengezogenen Brauen hervorblitzte, ballte sich unwillkürlich die weiße, mit Ringen bedeckte Hand, als ob sie einem Feind begegne – und doch stand ihr kein Feind gegenüber; nur in der eigenen Brust wohnte er, und klopfte und bohrte und mußte gewaltsam niedergehalten werden.

Über den Gartenplatz kam die kleine Bärbel mit ihren Blumen, sah die Gräfin am Fenster stehen und machte ihren Knix. Aber die Gräfin bemerkte sie gar nicht, wenn auch ihr Blick sie streifte, bis das Kind endlich, das von der Dienerschaft immer unbelästigt hinaufgelassen wurde, draußen schüchtern anklopfte.

Niemand antwortete; Bärbel klopfte noch einmal, und da noch immer keine Antwort erfolgte, öffnete sie die Thür. Es war schon oft vorgekommen, daß sich die Frau Gräfin nicht in ihrem Zimmer befand; dann ging sie doch hinein und legte ihr die Blumen auf den Tisch. Heut aber mußte sie ja drin sein, Bärbel hatte sie selber am Fenster gesehen. Wie sich die Thür öffnete, drehte sich die Gräfin um und erblickte das Kind; Bärbel war ihr Pathchen, und sie hatte die Kleine immer gern gehabt.

»Grüß Gott, Frau Gräfin!« sagte das Kind mit einem tiefen Knix, indem sie ihr den Strauß entgegenhielt; »hier bring' ich die Blumen.«

»Ich danke Dir, Bärbel; leg' sie nur auf den Tisch, ich werde sie selber in die Vase stellen.«

Die Kleine gehorchte und blieb dann zögernd stehen.

»Willst Du noch etwas, Bärbel?«

Bärbel drehte das Tuch verlegen in der Hand herum und knüpfte dann den Ring heraus. »Ja, Frau Gräfin,« flüsterte sie; »bei uns liegt der arme Mensch krank, der Maulwurfsfänger...«

»Ja, ich weiß, er ist vom Förster geschossen.«

»Ja, sehr, und da – da hat er mich heute gebeten...«