»Herr Du meine Güte, die gnädigste Frau Gräfin ist selber unten und will heraufkommen – die Ehre! Und wie's hier aussieht – na, die wird schön schauen! Aber wer hat daran auch gedacht?« Und dabei schob sie hastig Alles aus dem Wege, was sich eben nicht gut zeigen ließ, und wischte noch mit ihrer Schürze den einen dem Bett gegenüber stehenden Stuhl ab, auf dem sie gewöhnlich saß, als die Thür schon aufging und die hohe, stattliche Gestalt der Gräfin auf der Schwelle stand.

Das kleine Gemach hatte vielleicht noch nie so ärmlich ausgesehen, als in dem Augenblick, wo die elegante Gestalt der Dame in ihrem schwarzen rauschenden Seidenkleide darin erschien, und der ängstliche, scheue Blick, den sie darin umherwarf, zeigte, daß sie das fühlte. Aber im nächsten Moment haftete ihr Auge schon fragend und forschend auf dem Antlitz des Kranken, der, als er ihren Schritt auf der Treppe hörte, unwillkürlich emporgezuckt war, vom Schmerz gebannt aber in seine alte Lage zurücksank und finster die Zähne zusammengebissen auf seine Decke niederstarrte.

Ganz versteinert über die »hohe Ehre« stand indessen die Rosie in der Ecke und knixte nur einmal nach dem andern, um dem vornehmen Besuch ihre Ehrfurcht zu erweisen.

Aber die Gräfin, deren Blick nur über sie hinglitt, sagte leise: »Geh'n Sie hinunter, gute Frau, ich habe mit dem Kranken etwas zu sprechen.«

»Zu Befehl, Frau Gräfin.«

»Und kommen Sie nicht eher wieder herauf, bis ich Sie selber rufe.«

»Zu Befehl, Frau Gräfin.«

Die Alte war seelenfroh, da oben weg zu kommen, und wie ihr die Gräfin nur so viel Raum an der Thür ließ, daß sie hindurch konnte, ohne auf ihr Kleid zu treten, schoß sie die Treppe hinab.

Die Gräfin war mit dem Maulwurfsfänger allein; aber noch immer sprach sie kein Wort, noch immer haftete ihr Blick wie fragend und ungewiß auf den eingefallenen Zügen des vor ihr Liegenden, und erst als dieser keine Miene machte, sie anzureden, und nur wie krampfhaft in die Decke griff, sagte sie leise:

»Sie haben mich zu sprechen verlangt. Was kann ich für Sie thun?«