»Es lebt!« hauchte die Gräfin.

»Es lebt?« rief der Kranke. »Und – und heißt Helene?«

Die Gräfin antwortete nicht, aber ohne zu ihm aufzusehen, neigte sie leise das Haupt.

»Gott sei Dank!« stöhnte der Mann. »Aber – mir wird auf einmal so wunderbar schwach zu Sinn – es flackert mir vor den Augen. Gieb mir Deine Hand, Ottilie – laß uns versöhnt scheiden – so, das ist lieb von Dir – Gott segne Dich – so – und nun geh – Du darfst nicht länger hier bleiben. Schick' mir die Rosie herauf – die Alte oder die Bärbel, wenn sie unten ist. Oh, mein Gott, wie das brennt – das Eis ist fortgeschmolzen und zu glühend heißem Blei geworden...«

Die Gräfin hatte ihm die Hand gereicht; sie war aufgestanden, und ihre Brust hob sich stürmisch, ihr Antlitz deckte Leichenfarbe. Sie wollte sprechen, aber sie konnte nicht. Willenlos, fast bewußtlos hatte sie bis jetzt in der Gegenwart des Furchtbaren gehandelt; was sie sich vorgenommen, ehe sie das Haus betrat, wie sie mit kalter Verachtung seiner Anklage begegnen, sein Erkennen verleugnen wolle – es war hingeschmolzen, als jene Jammergestalt auf dem Bett, der Schatten dessen, der einmal im Leben ihre ganze Seele füllte, vor ihr lag. Alte Erinnerungen, Reue, Zerknirschung und Mitleid bestürmten ihr Herz; aber ihre Kräfte verließen sie, die Luft hier drohte sie zu ersticken.

»Leb' wohl!« flüsterte sie, und wie von Furien gejagt, floh sie aus dem Zimmer hinaus in's Freie, in die Einsamkeit.

Draußen wurde ihr leichter. Wohl eine Stunde lang ging sie in dem weiten Park auf und ab. Endlich wandte sie sich wieder dem Schlosse zu und ging in ihr Zimmer hinauf.

Noch hatte sie nicht ihren Hut abgelegt, als es leise an die Thür klopfte.

»Herein!«

Bärbel stand auf der Schwelle. »Ach, Frau Gräfin,« sagte die Kleine, und die hellen Thränen liefen ihr an den Wangen nieder, »ich bin nicht hergeschickt, aber – ich – ich wollte Ihnen nur melden, daß der alte Maulwurfsfänger eben gestorben ist.«