»Ihre selige Frau?« lachte Helene.

»Ach ja so,« sagte Jeremias erschreckt; »weiß der liebe Gott, wie es kommt, aber das Wort fährt mir immer heraus. Es ist mir in einem fort, als ob mir die Frau schon einmal gestorben und jetzt erst wieder neu geboren wäre. Aber was kann's helfen,« setzte er seufzend hinzu, »geschehen ist nun einmal geschehen, und das einzige Glück, daß ich doch jetzt im Stande bin, Manches gut zu machen, was ich früher verdorben. Nachher gehe ich wieder nach Brasilien.«

»Sie wollen zurück?« rief Helene erstaunt.

»Es wird sich nicht anders machen – was soll ich hier, wenn ich das Mädel versorgt weiß – aber jetzt haben wir Anderes zu denken,« brach er kurz ab, »und, wie gesagt, wenn ich Ihnen damit dienen kann, brech' ich die Nacht noch auf – viele Vorbereitungen habe ich überdies nicht nöthig.«

»Und tausend Dank im Voraus,« rief Rottack, ihm die Hand herzlich schüttelnd, »Sie glauben nicht, welche Last Sie mir dadurch von der Seele nehmen.«

»Und wie heißt der Herr, der Ihnen von dort geschrieben?«

»Kommen Sie jetzt mit in mein Zimmer, Jeremias,« sagte der junge Graf, »dort gebe ich Ihnen alle in meinem Besitz befindlichen Notizen, und sobald Sie dort etwas Näheres erfahren, telegraphiren Sie augenblicklich.«

Jeremias bedurfte keiner großen Unterweisung, denn er fand sich außerordentlich leicht in Alles, also auch in das, was hier von ihm verlangt wurde. Dann ging er noch einmal zu Pfeffers, um diesen anzuzeigen, daß er auf acht oder zehn Tage verreisen werde, packte nachher seinen Koffer und erwartete dann unten auf dem Bahnhof den Abendzug, der zwischen neun und zehn Uhr durchkam.

31.
Jeremias auf Reisen.

Es war bitterkalt die Nacht, und obgleich der März schon seit ein paar Tagen begonnen hatte, schien es doch fast, als ob der Winter noch gar nicht daran dächte, Abschied zu nehmen, oder doch wenigstens noch einmal zu guter Letzt zeigen wolle, was er könne.