Das war ein neuer Anhaltspunkt – an die Polizei hatte Jeremias noch nicht einmal gedacht. Spornstreichs lief er dorthin, und wenn es auch einige Schwierigkeiten hatte, unter all' den Beamten endlich den richtigen aufzufinden, der ihm über derartige Fremde Auskunft geben konnte, so ließ er sich doch keine Mühe verdrießen, ja, saß selbst anderthalb Stunden mit einer wahren Engelsgeduld auf einer Bank im Vorsaal, zwischen lauter Galgengesichtern und Dienstmädchen, immer von der Seite angesehen und beflüstert, was er wohl ausgefressen haben mochte, daß er hier sitzen mußte, bis die Reihe an ihn kam – und dann auch umsonst.
Der betreffende Beamte brachte wirklich heraus, daß sich ein Schauspieler Boslaw vor einiger Zeit hier in Prag drei Tage mit seiner Frau, Kathi Boslaw, aufgehalten und im »König Wenzel« logirt habe, dann aber wieder abgereist sei. Sein Paß war jedenfalls in Ordnung gewesen; was kümmerten sich die Leute darum, wohin »derartiges Volk« zog, wenn es ihnen hier nicht zur Last fiel!
»König Wenzel« – dort war vielleicht noch eine Möglichkeit, etwas Näheres zu erfahren, und Jeremias versäumte auch diese nicht – und wieder vergebens. Der Wirth wußte von dem jetzigen Aufenthalt des Herrn Boslaw gar nichts; er wollte aber, er wüßte es, daß er den Herrn noch fassen könnte, der nach bezahlter Rechnung seinem Kellner noch eine Flasche Champagner abgeschwindelt und, ehe er es erfuhr, das Weite gesucht hatte. Er schimpfte dabei entsetzlich auf die Schauspieler, die seiner Meinung nach nur allein deshalb in der Welt herumzögen, um arme Wirthe zu betrügen und sich nachher in's Fäustchen zu lachen.
Über die Frau, als Jeremias diese erwähnte, wußte er nun gar kein Ende zu finden. Das sollte ein wahrer Drache gewesen sein, die mit seiner eigenen Frau schon in der ersten Stunde Skandal gehabt und sich bodenlos gemein betragen hätte.
»Und können Sie mir keine Spur angeben, wo ich den Menschen wieder auffinden möchte?«
»Aha, Ihnen ist er wohl auch durchgebrannt?« lachte der Wirth. »Ja, lieber Freund, und wenn Sie ihn träfen, was würd's Ihnen helfen? Das ist eine pauvre Wirthschaft bei dem Pärchen, wenn die Madame auch aufgedonnert genug geht; aber 's ist ja Alles falsch. Einen Brillantschmuck hat die Person, der eine sechstausend Gulden werth sein müßte, wenn er ächt wäre; aber wo sollte die solche ächte Steine herkriegen? Landsleute sind's.«
»Herr Boslaw?« sagte Jeremias.
»Nein, die Steine – böhmische, mein' ich. Wenn Sie meinem Rath folgen wollen, lassen Sie ihn laufen; 's kommt nichts bei der Sache heraus, und Sie verreisen mehr Geld und Zeit dabei, als die Lumperei werth ist.«
»Und wo sich Herr Boslaw früher aufgehalten hat, davon wissen Sie gar nichts?«
»Nein, ich bin auch nicht neugierig danach und weiß nur so viel, daß wir ihn hier nicht wieder zu sehen bekommen werden.«