Die arme Kranke, die unter den vielen wollenen Decken zum ersten Mal wieder nach langer Zeit mochte warm geworden sein, hatte diese über ihren Kopf gezogen, und erst als sie die fremden Stimmen um sich hörte und fühlte, daß ihr Bett selber angefaßt wurde, warf sie erschrocken die Decke von ihrem Gesicht zurück.
»Um Gottes willen, was wollt Ihr mit mir? – oh, laßt mich ruhig sterben.«
»Freunde sind da, gnädige Frau,« antwortete aber Jeremias, dem die Rührung fast die Stimme erstickte – »Ihre Sorge und Noth hat aufgehört, wir bringen Sie in ein anderes Haus, wo Sie ordentliche Pflege finden sollen.«
Paula starrte ihn noch immer ängstlich an, auf ein Zeichen von Jeremias hoben aber die vier Männer das Bett rasch empor, und ehe sie noch Einspruch thun konnte, war es gedreht und im andern Zimmer und durch dieses hin auf die Straße gebracht. Dort liefen Neugierige zusammen. Die arme junge Frau hüllte sich erschreckt wieder in ihre Decken ein, und wenige Minuten später befand sie sich im andern Hause.
Hier freilich mußte sie den Frauen überlassen werden, denn das unbeholfene Gestell ließ sich nicht die schmale Treppe hinaufschaffen. Aber diese wußten auch vortrefflich damit umzugehen, und mit Hülfe der Decken und eines Stuhles trugen sie die Arme rasch und leicht hinauf und legten sie in das für sie schon hergerichtete durchwärmte Bett. Das in Ordnung und der Wirthin noch einmal die Suppe auf die Seele bindend, beorderte Jeremias die Pferde wieder, um so rasch als möglich zur Stadt zu fahren. Er versprach aber noch an dem Abend mit einem Arzte zurückzukehren, und eine Viertelstunde später glitt der Schlitten unter fröhlichem Schellengeklingel nach Podiebrad hinüber.
Jeremias that aber nichts halb. Von dort nahm er nicht allein den besten Arzt mit, der aufzutreiben war, sondern auch eine gute und tüchtige Krankenpflegerin, und schickte zugleich ein Telegramm nach Haßburg, das nur die Worte enthielt: »Graf Rottack, Haßburg. Kommen Sie – gefunden – krank – elend. Prag, Schwarzes Roß. Jeremias.«
Mit dem Doctor und der Wärterin kehrte er noch an demselben Abend nach dem Dorf zurück, und erst als er Alles gethan, was in seinen Kräften stand und was überhaupt vor der Hand nur möglicher Weise zu thun war, fuhr er wieder nach Prag zurück, um dort Rottack's Ankunft, der jedenfalls den nächsten Zug benutzte, zu erwarten. Der mochte dann bestimmen, was weiter geschehen solle.
Wie Jeremias aber nach Prag zurückkehrte, fand er schon ein antwortendes Telegramm vor.
»Ich komme mit dem nächsten Zug; wenn wir weiter fahren müssen, seien Sie am Bahnhof.«
Dadurch wurde allerdings die wenigste Zeit versäumt, und Jeremias behielt auch in der That kaum Raum genug, um etwas zu genießen und gleich darauf wieder nach dem Bahnhof hinaus zu fahren; denn wenn Graf Rottack den ersten Abendzug benutzt hatte, konnte er zu Mittag recht gut in Prag eintreffen.