Die Wärterin saß am Bett, als Helene eintrat, und stand schüchtern auf, die Kranke aber lag, die Augen geschlossen, das bleiche, abgehagerte Antlitz der Thür zugedreht, als ob sie schliefe.
Helenen zog sich das Herz zusammen. Allmächtiger Gott, wie sah die Arme aus? – Wohin war das fröhliche Lächeln der sonst so lieben Lippen verschwunden, wohin das Roth der Wangen, das schelmische Grübchen im Kinn? Und als sie die großen, dunkeln Augen aufschlug und erstaunt, fast erschreckt die Eintretende anstarrte, da hätte Helene ihr um den Hals fliegen und an ihrem Herzen den Gram ausweinen mögen, der ihr die Seele zusammenschnürte. Aber sie bezwang sich.
»Meine liebe Paula,« sagte sie, indem sie mit lautlosem Schritt dem Bett zuglitt und die herabhangende, fast durchsichtige Hand erfaßte, »mein liebes, süßes Herz, wie geht es Dir?«
Paula antwortete ihr nicht. Mit immer wachsendem Staunen betrachtete sie die bekannten Züge, lauschte sie den zärtlichen, liebevollen Lauten.
»Kennst Du mich nicht mehr, Paula?«
»Doch, doch,« flüsterte die Kranke, »Du bist der Engel, den ich herbeigesehnt und der mich dorthin führen soll, wo kein Schmerz und Kummer, kein Haß, keine Falschheit mehr ist – oh, ich danke Dir, Gott, danke Dir recht aus voller Seele, daß meine Leiden jetzt ein Ende nehmen! Oh, wie leicht wird mir, wie wohl, wie froh, oh nimm mich zu Dir! Dein armes, armes Kind – oh laß mich scheiden!«
Sie fiel zurück, Todtenblässe deckte ihre Züge, sie war ohnmächtig geworden.
Helene sprach kein Wort, nur ihr Tuch tauchte sie in kaltes Wasser und legte es der Kranken um die Schläfe, hielt ihr ein mitgebrachtes Flacon unter die Nase und that Alles still und geräuschlos, um sie in's Leben zurückzurufen.
Der Arzt hatte sie dabei unterstützt.
»Es wird vorübergehen,« flüsterte er leise, »bleiben Sie stark, gnädige Frau – vielleicht geht doch noch Alles gut.«