Nach einer langen Weile schlug Paula die Augen wieder auf. Helene war über sie gebeugt und ihre Blicke begegneten sich.

»So hab ich nicht geträumt,« sagte Paula leise, »der Engel ist bei mir geblieben.«

»Meine Paula, mein süßes, liebes Herz, kennst Du mich denn nicht mehr? Kennst Du Deine Helene nicht?«

»Helene? Helene Rottack?« flüsterte die Kranke. »Aber – wie kommen Sie denn hierher, Frau Gräfin? Wie ist mir denn? Bin ich denn nicht...«

»Ich habe Dich gesucht und gefunden, Herz!« rief Helene, die nur mit Gewalt die vorquellenden Thränen zurückdrängen mußte. »Jetzt bleib' ich bei Dir, ich gehe nicht wieder von Dir fort, bis Du auf's Neue wohl und gesund und kräftig bist. Darf ich bei Dir bleiben?«

»Bei mir?« flüsterte Paula, während ihr Blick scheu im Zimmer umherflog. »Bei mir, der Ausgestoßenen, die ihren Bruder und Vater gemordet hat? Bei mir?« Und dabei suchte sie Helenens Hand von sich fortzudrücken. »Geh, geh fort, daß Dich nicht auch der Fluch trifft, der auf mir ruht!«

»Aber was sprichst Du, Paula?«

»Ich weiß Alles,« flüsterte die Arme, »in den Zeitungen stand es, die ich draußen gelesen – Alles – Alles! Oh, daß ich gestorben wäre, um nicht das – das zu ertragen!«

»Hüten Sie die Kranke vor Aufregung!« flüsterte der Arzt.

»Nicht Alles ist wahr, was in den Zeitungen steht, mein Herz,« suchte Helene sie zu beruhigen; »Dein Vater ist wohl krank, aber er lebt.«