»Er lebt – ja,« sagte Paula düster – »aber wie? Oh, Helene, und Du hast Dich nicht von mir gewandt, wo mich Alles, Alles verlassen?«

»Nie, nie, mein armes Kind,« rief die junge Gräfin, »ich bleibe bei Dir; Du darfst mich nicht von Dir weisen; es wird noch Alles gut werden – hoffe nur, Paula!«

»Alles gut werden? Ja,« sagte die Arme leise, »wenn ich im Grabe liege – oh, daß ich ausruhen könnte von all' dem Herzeleid!«

Sie lag wieder still und ruhig. Helene suchte sie zu trösten, aber sie antwortete nicht mehr, bis ihr Geist auf's Neue an zu wandern begann und wilde, erschreckende Bilder vor die Seele heraufbeschwor. Sie jammerte dabei nach ihrem Kinde, das man ihr weggenommen hätte, und wollte von ihrem Lager aufspringen, so daß sie nur mit Mühe gehalten werden konnte; dann lag sie wieder halbe Stunden lang still und wie todt.

Der Arzt schüttelte den Kopf, die Erregung war zuviel für die Kranke gewesen; aber mit eines Engels Geduld saß Helene an ihrem Lager die ganze Nacht hindurch, und kein Schlaf kam in ihre Augen.

Rottack und Jeremias, da der Arzt gegen Abend wieder nach der Stadt zurück mußte, wo er auch ein paar gefährlich kranke Patienten hatte, verbrachten die Nacht ebenfalls in trauriger Weise in der Wirthsstube selber, und noch dazu in einem furchtbaren Tabaksdunst, da sich heute eine Menge von Neugierigen eingefunden hatte, um die Fremden zu sehen, die gekommen wären, die kranke Frau abzuholen.

Für heute ließ sich aber nichts mehr daran ändern, morgen konnte vielleicht eher Rath geschafft werden. Beide waren ja auch überdies an Beschwerden gewöhnt, und auf Stühlen und Bänken richteten sie sich ein, so gut es eben gehen wollte.

Gegen Morgen endlich war die Kranke eingeschlafen, und Helene warf sich ebenfalls in ihren Kleidern auf das noch im Zimmer befindliche Bett, um ein klein wenig zu ruhen, während jetzt die Wärterin an dem Lager der Kranken wachte.

Paula schlief lange und sanft, und als sie endlich erwachte und die treue Freundin zu ihr trat, schlang sie ihren Arm um deren Nacken, zog sie zu sich nieder und weinte still.

»Meine liebe, liebe Paula, Du darfst Dich nicht wieder aufregen, der Arzt hat es streng verboten.«