Daß es Mauser sehr gut brauchen konnte, wußte Jeremias, das war in seinem ganzen Wesen unverkennbar, und verdient hatte er es auch, denn ohne ihn wäre die ganze Reise umsonst gewesen und die arme Paula wahrscheinlich in Noth und Elend »verdorben und gestorben«. Jeremias suchte ihn deshalb auf, und wenn er auch das bezeichnete Haus mit Leichtigkeit fand, hatte es doch seine Schwierigkeiten, bis er die fünf steilen Treppen emporkletterte, über denen der Souffleur – noch immer in dem nämlichen ungewaschenen Schlafrock und mit demselben Fez auf, thronte.

Mauser erhob übrigens, als er ihn erblickte, ein solches Freudengeschrei, daß die Leute aus der Etage unter ihm herausstürzten, weil sie glaubten, es wäre Jemandem ein Unglück begegnet.

Jeremias mußte jetzt erzählen, aber er that das nur in aller Kürze, denn er selber war mit seiner Zeit gedrängt; wie er aber zuletzt, im Namen des Grafen Rottack, die zehn Louisd'or aus der Tasche nahm und auf den Tisch legte, stand der Souffleur starr vor Schreck und Staunen. Er wollte es erst gar nicht glauben, daß sie sein Eigenthum sein sollten, blos dafür, daß er einen Abend mit »Stelzhammer gekneipt«. Als es ihm dieser aber wieder und wieder versicherte und er sie in die Hand genommen und gewogen, und wieder auf den Tisch gelegt und sich noch einmal hatte bestätigen lassen, daß das fortan sein Eigenthum sei, da kannte seine Ausgelassenheit keine Grenzen.

Wie ein Rasender sprang er in der Stube herum, den Fez schleuderte er in die Ecke, ein Pantoffel flog da, einer dorthin, und das Haus dröhnte von seinen Jubelrufen, die dem Kriegsgeheul der Indianer nicht unähnlich waren.

Jeremias beruhigte ihn nur mit der größten Mühe, und als er sich endlich zufrieden gab, wollte er absolut in seine Kleider fahren, um mit seinem kleinen Wohlthäter, heute natürlich auf eigene Kosten, auszuprobiren, wo der beste Wein sei. Jeremias wußte aber recht gut, daß er ihn dann den ganzen Tag nicht wieder los würde, versprach ihm deshalb, wenn er es irgend möglich machen könne, in einer Stunde etwa wieder herauf zu kommen und ihn abzuholen, und eilte dann in das Hotel zurück, um von Rottacks Abschied zu nehmen.

In derselben Zeit, in der Mauser oben in seinem Zimmer fertig angezogen und mit einem schmählichen Durst saß und auf ihn wartete, fuhr Jeremias auf den Bahnhof hinaus und eine halbe Stunde später gen Haßburg.

33.
Die Werbung.

Jeremias hatte schon von dem böhmischen Dorf aus, wie er nur etwa die ungefähre Zeit seiner Rückkehr bestimmen konnte, nach Hause geschrieben, und lauter Jubel empfing ihn hier, denn Rebe war in der Zeit nicht müßig gewesen.

Director Krüger hatte seinen Contract contrasignirt, und wie er selber der Liebling des Publikums geworden, besserten sich auch seine pecuniären Verhältnisse.

In den vergangenen Monaten, wo er fast noch sparsamer gelebt als je, kaufte er von der jetzt ziemlich hohen Gage nach und nach, was er in der Wirthschaft brauchte. Jettchen's Aussteuer war ja schon von dem Vater reichlich bedacht worden, und Alles jetzt bereit, um die Trauung in der nächsten Zeit zu vollziehen. An demselben Sonntag, an dem Jeremias von seiner Reise zurückkehrte, wurden sie zum ersten Mal aufgeboten, und Jettchen fühlte sich selig in dem Gedanken, nun bald nicht mehr allein zu stehen und dem Geliebten ganz anzugehören.