»Du lieber Gott,« seufzte Jeremias, »also doch noch! Ja, da will ich gleich zu Rottacks gehen.«

Und Rebe freundlich zunickend, schritt er an ihm vorüber aus der Thür und die Treppe hinab.

Es war ihm recht weh und weich zu Sinn, aber die Anderen durften ja doch nichts davon merken, und sich tüchtig zusammennehmend, schritt er den kurzen Weg hinüber nach Rottack's Haus, wo er auf das Herzlichste begrüßt wurde. Er fand dort auch zu seiner Freude, daß sich Paula wieder so weit erholt hatte, um die Reise ungefährdet fortsetzen zu können. Nicht einmal die Dienerschaft im Hause wußte aber, wer die junge Fremde sei, die krank und verschleiert angekommen, und jede Möglichkeit eines Ausplauderns war dadurch abgeschnitten.

Jeremias wunderte sich freilich manchmal im Stillen, weshalb gerade Rottacks ein so aufopferndes Interesse an der jungen unglücklichen Comtesse nahmen, aber seine eigenen Pläne beschäftigten ihn doch auch zu sehr, um lange darüber nachzudenken, und danach gefragt hätte er überdies nie; was kümmerte das auch ihn, und er hatte Rottacks viel zu lieb, als ihnen einen andern Beweggrund zuzuschreiben, wie aufopfernde Freundschaft.

Dem jungen Grafen Rottack – Helene war bei der Kranken in ihrem eigenen Zimmer – entging aber dagegen nicht die auffallend gedrückte Stimmung seines kleinen Freundes, denn eine solche augenscheinliche Schwermuth war er nicht an ihm gewohnt. Er fragte ihn deshalb direct um die Ursache, und Jeremias gestand ihm denn nach einigem Zögern endlich mit einem gewaltsam heraufgezwungenen Humor, daß er wieder nach »Brumsilien« zurück wolle, um dort nach seinem Eigenthum zu sehen, und daß es ihm schwer werde, jetzt von hier fortzugehen.

»Aber haben Sie mir denn nicht selber gesagt,« fragte der junge Graf, »daß Ihnen Rohrland in Santa Clara Alles besorgt und daß Sie dem das Ganze übergeben hätten? Auf Rohrland können Sie sich doch fest verlassen.«

»Felsenfest,« bestätigte Jeremias, »besser als auf mich selber.«

»Und weshalb da die Reise, wenn Sie nicht gern gehen?«

»Herr Graf,« sagte Jeremias entschlossen und sah sich vorher wie scheu im Zimmer um, ob sie auch ganz allein wären, »ich – ich will Ihnen reinen Wein einschenken; ich muß Jemanden haben, mit dem ich einmal offen sprechen kann, es drückt mir sonst wahrhaftig das Herz ab.«

»Und daß Sie Keinen haben, Jeremias, der wärmeren Antheil an Ihnen nimmt, wissen Sie doch,« sagte der junge Graf herzlich. »Kann ich Ihnen mit etwas helfen, so reden Sie frei. Haben Sie vielleicht zu viel Ausgaben gehabt und brauchen Sie Geld? Heraus mit der Sprache, offen und ehrlich! Ich bin reich, und wo ich Ihnen helfen kann...«