Jeremias schüttelte den Kopf. »Das wär's nicht,« sagte er mit einer komischen Verlegenheit, »Geld wär' da, und wie ich zurückkam, fand ich sogar wieder einen Wechsel von Rohrland vor; ich habe mehr als ich brauche, oder doch vollkommen genug.«

»Aber was, um Gottes willen, kann Sie sonst so niederdrücken? Ihr Lieblingswunsch, die Verheirathung Ihrer Tochter mit dem jungen Rebe, ist seiner Verwirklichung nahe, Ihre Frau hat sich, wie Sie mir selber sagen, vollkommen wieder erholt und ist gesund, an Geld fehlt es Ihnen auch nicht – also an was sonst? Heraus mit der Sprache, Jeremias; Sie haben uns mit wahrer Aufopferung beigestanden, machen Sie mir jetzt auch die Freude, daß ich Ihnen helfen kann.«

Er hatte ihm dabei eine Cigarrenkiste und einen Stuhl hingeschoben, und Jeremias, sich immer noch verlegen beider bedienend, sagte: »Ja, sehen Sie, Herr Graf, das ist allerdings eine wunderliche Geschichte; es fehlt mir eigentlich an gar nichts, als – an der Hauptsache.«

»An der Hauptsache?«

»Sobald Jettchen geheirathet hat,« fuhr Jeremias fort, »so zieht selbstverständlich die Mutter zu den Kindern, und auch Pfeffer hat sich oben in dem Hause Stübchen und Kammer mit einer reizenden Aussicht gemiethet. Soll ich mich dann mutterseelenallein hier irgendwo als Junggeselle einquartieren und auf meine alten Tage da verloren sitzen?«

»Ja, aber weshalb ziehen Sie denn nicht zu Ihren Kindern?«

»Ich?« rief Jeremias ordentlich erschrocken. »Ja, aber das geht ja doch gerade nicht. Von meiner Frau bin ich geschieden, und so lange sie krank, elend und in Noth war, konnte kein Mensch etwas Übles darin sehen, wenn ich in dem Hause aus und ein ging. Jetzt aber, wo sie wieder rüstig und gesund ist und mir mein früheres nichtsnutziges Betragen vollständig vergeben hat, darf ich nicht in ein und dasselbe Haus mit ihr ziehen. Denken Sie nur, was die Leute darüber reden würden, und wo sie über Schauspieler oder was mit ihnen zusammenhängt losziehen können, thun sie's ja doch nur gar zu gern. So aber als Fremder hier zu wohnen, wo man eine Familie im Orte hat, das – hielt ich auf die Länge der Zeit nicht aus, und da ist's besser, ich gehe bei Zeiten.«

Die Unterhaltung zwischen Rottack und Jeremias stockte eine Weile, weil Letzterer schwieg; dann aber fragte Graf Rottack: »Also in Brasilien haben Sie wirklich nichts Wichtiges zu thun, nichts wenigstens, was Ihnen nicht Rohrland eben so gut besorgen könnte?«

»Gar nichts,« schüttelte Jeremias mit dem Kopf; »das war nur eine Ausrede, denn sagen kann ich's ihnen ja doch nicht.«

»Und Ihre Frau ist Ihnen wieder gut?«