»Es ist ein wahrer Engel von einer Frau, und ich fühle erst jetzt, was ich für ein Esel gewesen bin.«

»Dann erklären Sie mir aber auch Eins: weshalb lassen Sie sich nicht wieder mit Ihrer Frau trauen?«

»Hurrjeh,« rief Jeremias, von seinem Sitz emporfahrend, »das geht ja aber doch nicht; wir sind ja geschieden!«

»Aber lieber, bester Freund,« lachte Rottack, »warum geht denn das nicht? Ich kenne verschiedene Beispiele, daß sich früher geschiedene Gatten wieder haben trauen lassen. Sie sind ja Beide frei und unabhängig, und wer in aller Welt will Sie daran hindern oder könnte es Ihnen, wenn Sie Ihre Frau noch lieben, verdenken?«

»Und Sie glauben wirklich?« rief Jeremias, ganz verstört von all' den Gedanken, die ihm jetzt durch den Kopf schossen.

»Glauben – was soll ich glauben?« sagte der junge Graf. »Die Sache ist außer aller Frage. Sie erwerben sich dadurch ein Recht, für die Frau, der Sie einst ewige Treue versprochen und dann ein bischen gewissenlos durchgingen, auch in ihrem Alter zu sorgen und das, was sie gelitten, wieder an ihr gut zu machen; und seien Sie überzeugt, daß man es Ihnen überall sogar hoch anrechnen und Sie deshalb schätzen und lieben wird.«

»Ach, mein bester Herr Graf,« sagte Jeremias, indem er wieder in seinen Stuhl zurücksank, »das ist ja schon seit langen Monden mein Lieblingswunsch gewesen, schon wie Auguste noch krank war, um sie aller Sorge für das Kind zu entheben; aber – ich habe nie geglaubt, daß es möglich wäre, und dann – wenn ich es mir manchmal so dachte, fehlte es mir immer an der Courage, es ihr zu sagen.«

»Fehlt es Ihnen noch daran?« lächelte Rottack.

»Ja,« sagte Jeremias kleinlaut; »ich brächt's nicht über die Lippen.«

»Soll ich dann Ihren Freiwerber machen?«