Bei Pfeffers saß die Familie indessen noch in einer recht wehmüthigen Stimmung beisammen, denn Jeremias' eben angekündigter und so nahe bevorstehender Abschied lag Allen auf der Seele. Pfeffer selber ging mit immer größeren Schritten auf und ab und dampfte immer stärker; Fräulein Bassini strickte, als ob der Strumpf noch heute fertig werden müßte, und Rebe stand niedergeschlagen am Fenster, während Jettchen der Mutter Hand in der ihrigen hielt und ihr mit leisen Worten Trost zuflüsterte.

Da klopfte es an die Thür, und auf das etwas erstaunte »Herein!« Pfeffer's trat Graf Rottack in's Zimmer.

»Störe ich?«

»Herr Graf!« rief Pfeffer in einiger Verlegenheit, daß er schon wieder in seinem alten Schlafrock ertappt wurde. »Sie entschuldigen einen Augenblick!«

»Bitte, lassen Sie sich nicht stören!« rief Rottack. »Es ist eine Familienangelegenheit, in der ich komme. Verehrte Frau, ich freue mich herzlich, Sie dieses Mal so wohl und munter anzutreffen; Sie haben sich wirklich in der kurzen Zeit merkwürdig erholt. Mein liebes Fräulein, wenn auch verspätet, doch nicht minder herzlich ist mein Glückwunsch – oder eigentlich sollte man besonders Ihnen Glück wünschen, Herr Rebe, denn ich glaube, Sie sind am meisten zu beneiden. Ah, auch eine alte Bekannte, Fräulein Bassini, wenn ich nicht irre – aber bitte, wollen denn die Damen nicht Platz behalten? Und was für betrübte Gesichter sehe ich hier? Thränen in den Augen, mein Fräulein? Das schickt sich aber nicht für eine Braut!«

Fräulein Bassini, die, als der Graf eintrat, rasch ihren etwas sehr mitgenommenen Strickstrumpf bei Seite geschoben hatte und dann auf und nieder geknixt war, bis er sie anredete, rief jetzt: »Ach, Herr Graf, wenn Sie dem Jeremias nur zureden wollten, daß er nicht wieder nach Brasilien ginge!«

»Und sind Sie darüber so traurig?«

Die Frauen seufzten tief auf, als sich die Thür wieder öffnete und Pfeffer, der rasch hinausgefahren war, ohne Pfeife und in seinem unvermeidlichen langen braunen Rock erschien.

»Nun, Herr Graf, womit können wir Ihnen dienen?«

»Wir sprachen gerade über Jeremias' Abreise nach Brasilien,« sagte Graf Rottack lächelnd, »und da die Damen hier nicht damit einverstanden scheinen, kann ich Ihnen vielleicht einen Vorschlag zur Güte machen.«