Sie schüttelte den Kopf und winkte mit der Hand, daß es fortgenommen würde.
So verbrachte sie den ganzen Tag. Sie saß in ihrem Stuhl am Fenster und blickte auf das vor ihr ausgebreitete Thal hinaus; sie sprach nicht, sie rührte sich nicht, und nur wenn sich ihr Jemand nahen wollte, winkte sie ihn fort. So saß sie die ganze Nacht, nur erst am nächsten Morgen warf sie sich, halb angekleidet, auf ihr Lager, und ihre Kammerfrau gerieth schon in Angst und Sorge, als sie um zwölf Uhr Mittags ihr Zimmer noch nicht wieder geöffnet hatte und Todtenstille darin herrschte. Aber sie brauchte nichts zu fürchten, die Gräfin lebte und war gesund, und was auch ihr Geist leiden mochte, ihr Körper unterlag dem Druck nicht.
Es war Nachmittag, als der Haushofmeister durch die Kammerfrau um die Kofferschlüssel bitten ließ, da die Frau Gräfin neulich bestimmt habe, daß sie gleich nach der Beisetzung ihres Gatten Haßburg verlassen wolle. Sie ließ ihm wieder sagen, es habe noch Zeit; sie sei noch nicht entschlossen, wann sie abreisen werde.
Er wollte selbst zu ihr, aber die Thür war wieder verschlossen, und erst gegen Abend wurde er beordert, der Frau das Diner hinauf zu schaffen.
Einer der Diener deckte den Tisch, der alte Haushofmeister bediente sie selber. Während sie aß, wurde kein Wort gesprochen. Als er abräumen wollte, sagte die Gräfin:
»Ihr habt mich heute nach den Kofferschlüsseln fragen lassen?«
»Ja, gnädige Frau Gräfin...«
»Dort liegen sie auf dem Tisch.«
»Wann gedenken Sie abzureisen?«
»Wahrscheinlich Ende der Woche – ich weiß es noch nicht. Ihr könnt Eure Sachen immer zurecht machen. Ich werde nur meine Kammerfrau und Euch mitnehmen, Hußmann.«