Der Haushofmeister erwiderte nichts – er hatte die Hände eben an einen der Präsentirteller gelegt, um ihn vom Tisch zu nehmen. Er blieb in der Stellung – endlich sagte er leise:
»Frau Gräfin, ich werde Sie bitten müssen, mich diesmal zu entschuldigen.«
»Zu entschuldigen? Weshalb?« sagte die Frau, deren Gedanken indessen schon weit abgeschweift gewesen.
»Von dem Mitreisen zu entschuldigen, Frau Gräfin,« sagte der alte Mann leise, aber entschlossen.
»Ihr wollt mich auch verlassen, Hußmann?« rief die Gräfin ordentlich erschreckt.
»Ich bin jetzt neunundvierzig Jahre in Ew. Gnaden Dienst, schon bei dem hochseligen Herrn Vater, dann bei Ihnen – ich werde alt, Frau Gräfin, ich kann meinem Dienst nicht mehr so vorstehen, wie ich wohl möchte, und – das Reisen vertrage ich gar nicht mehr. Ich könnte Ihnen unterwegs krank werden, und da ist's viel besser, ich – bitte Sie in Zeiten um meine Entlassung.«
Die Gräfin antwortete ihm nicht – still und regungslos, den Kopf in die Hand gestützt, saß sie am Tisch und starrte vor sich nieder. Der Haushofmeister stand noch immer in ehrfurchtsvoller Stellung neben ihr, eine Erwiderung erwartend.
Endlich winkte ihm die Herrin leise mit der Hand. »Es ist gut, Hußmann,« sagte sie, »ich will es mir überlegen. Ihr habt Euren freien Willen – geht jetzt, laßt mich allein, mir ist nicht recht wohl, ich muß Ruhe haben – geht doch nur!«
Sie sah auf, aber sie war schon allein. Der Haushofmeister hatte das Zimmer so geräuschlos verlassen, daß sie sein Gehen gar nicht bemerkt.
Wie die Stunden dahin schlichen und die Tage in dem öden Haus, und wie unheimlich selbst die Pracht das Ganze machte! Sammt, Silber, Seide und Marmor schienen des Elends ordentlich zu spotten, das jetzt heimisch in diesen Räumen geworden, und wie Schatten glitten die wenigen zurückbehaltenen Diener über die weichen Teppiche der Stuben, durch die kein Lichtstrahl mehr fiel, so dicht waren die Gardinen verhangen – wie ein Schatten selbst schlich die düstere Gestalt der Gräfin mit todbleichem Antlitz in den Sälen umher, die ihre einzige Heimath bildeten und doch keine Heimath mehr boten.