Eine Woche mochte fast nach der Beisetzung des Grafen vergangen sein. Die Gräfin hatte ihre Koffer noch nicht packen lassen, der alte Haushofmeister aber den erbetenen Abschied erhalten. Seine Familie lebte hier in Haßburg, und die Gräfin bat ihn nur, die Aufsicht über das Schloß in ihrer Abwesenheit so lange zu übernehmen, bis sie einen andern zuverlässigen Mann gefunden habe. Der Alte blieb also indessen als Castellan des Schlosses zurück. – Aber noch immer wurden keine Anstalten zum Reisen gemacht, wenn auch das Silbergeschirr und andere werthvolle Sachen schon lange gepackt und in die Stadt geschafft waren.
Da fuhr ein Wagen vor – seit lange der erste wieder vor dem öden Platz. Die Gräfin hatte ihn gehört und dem Geräusch, emporfahrend, gelauscht – dann fiel sie wieder in ihre alte Stellung zurück.
Ein Diener trat in's Zimmer und überreichte ihr eine Karte.
»Herr Graf Rottack wünscht der Frau Gräfin seinen Abschiedsbesuch zu machen – die Frau Gräfin Rottack ließe sich entschuldigen, sie fühle sich nicht wohl.«
Gräfin Monford zuckte zusammen, als sie den Namen hörte – wie unschlüssig hielt sie die Karte in der Hand, aber unwillkürlich fast machte der Arm eine abwehrende Bewegung.«
»Ich kann nicht – jetzt nicht – ich fühle mich nicht wohl.«
»Der Herr Graf sagte mir,« berichtete der Diener, »daß die gräfliche Familie morgen Haßburg verlassen würde.«
Die Gräfin blieb regungslos mehrere Secunden, aber wieder winkte sie abwehrend mit der Hand.
Der Diener verließ das Zimmer, und gleich darauf rollte der Wagen wieder fort; in ihren Stuhl aber sank die Gräfin und deckte ihr Antlitz mit den Händen. – –
Graf Rottack kehrte in seinem Cabriolet, das er selber fuhr, nach Hause zurück. Schon vorher hatte er von Jeremias' jetzt glücklicher Familie Abschied genommen, alle anderen Abschiedsbesuche waren ebenfalls gemacht, und es band ihn nichts mehr an Haßburg, da er die Aufsicht über sein Haus, bis er zurückkehrte, seinem kleinen brasilianischen Freund übergeben.