»Ja, zwei Treppen hoch; ich habe mich genau erkundigt, bin auch gestern hier schon ein paar Mal vorbeigegangen, habe aber nichts gesehen, als einen orangefarbenen Shawl oder Morgenrock, der da oben an dem einen Fenster mehrere Male hin und wieder fuhr.«

»Also gehen wir hinauf.«

»Thun Sie mir den einzigen Gefallen, Herr Graf, und warten Sie noch einen Augenblick,« bat der kleine Mann, »daß ich erst noch Luft schnappen kann – mir ist die Kehle wie zugeschnürt.«

Felix lächelte und blieb, während sich Jeremias den hellen Schweiß von der Stirn trocknete, neben ihm stehen. Endlich faßte sich dieser doch ein Herz – was half es auch, wenn er länger zögerte, geschehen mußte es doch – also vorwärts!

»Ein Heidenglück ist's, daß Sie bei mir sind,« flüsterte er dem jungen Grafen zu, »denn allein hätt' ich's nicht zuwege gebracht. Ich wäre, hol' mich Dieser und Jener, wieder fort und erst noch einmal um die ganze Stadt gelaufen!«

»Sie hätten vorher ein Glas Wein trinken sollen!«

»Ich habe eine ganze Flasche getrunken,« sagte Jeremias, »nur um Courage zu kriegen, aber es hilft ja nichts – es war, als ob man Wasser auf einen heißen Stein gösse, es zischte ordentlich. Na, meinethalben, jetzt muß die Bombe platzen, und nun kommen Sie, Herr Graf, jetzt wollen wir Sturm laufen!«

Damit öffnete er entschlossen die Hausthür und betrat den innern Raum.

Es war ein kleines, unansehnliches Haus, altmodisch gebaut wie die meisten der älteren Häuser von Haßburg, unten mit einem mit Steinplatten belegten schmalen Vorplatz, auf dem noch eine dort aufgestellte Wäschrolle den größten Theil des Raumes in Anspruch nahm. Rechts unten wohnte ein Schuster; die Thür der Werkstatt stand, des warmen Tages wegen, offen, und man konnte den Meister mit einem Gesellen und einem Lehrling drinnen arbeiten sehen, während ein ungesunder, warmer Dunst von dort auf den kühleren Vorplatz herausdrang.

»Wie hieß die Dame gleich?« fragte Rottack leise seinen Begleiter.