„Es ist eine speckige Entartung der Leber“, sagte der Commerzienrath rasch und sehr erfreut, die Dame mit den großen Ohrringen in etwas belehren zu können, „eine Art Fettleber, die, völlige drei Zoll zu groß für den übrigen Bau meines Körpers, an Rippen, Zwerchfell und Magen anstößt und mir die bedauerlichsten Unbequemlichkeiten veranlaßt. Ein Fahren im Wagen ist mir deshalb von meinem Arzte als eine Art Passivgymnastik besonders empfohlen worden.“
„Als was?“ fragte die dicke Dame und sah ihn groß und erstaunt mit ihrem vollen rothen Gesicht an.
„Als eine Art Passivgymnastik.“
„Das Fahren?“
„Ja wol —“
„Nun Gott sei Dank“, sagte die dicke Dame und warf wieder einen Blick umher wie vorher, „und reist ihre Frau auch auf Passif—, wie hieß das Andere?“
„Gymnastik — meine Frau?“ setzte der Commerzienrath überrascht hinzu und die andern Damen steckten die Köpfe zusammen. Ehe er aber noch etwas weiter darauf erwidern konnte, pfiff die Locomotive, der Zug ging langsam und die junge hübsche ihm gegenübersitzende Frau mit den vergessenen Ueberschuhen stand auf, ihr Umschlagetuch, das zurückgefallen war, wieder über die Schultern zu nehmen.
„Sie wollen uns hier schon verlassen?“ fragte der Commerzienrath, während die dicke Frau sich von ihm abbog und ihre Nachbarin zur Rechten, in einem Versuch der an der andern Ecke sitzenden Dame etwas zuzuflüstern, fast erstickte.
„Ja, ich gehe nur bis Hochstadt“, lautete die Antwort, während die Sprecherin aus dem Fenster und nach den Wolken schaute; „lieber Gott im Himmel“, setzte sie dabei ängstlich hinzu, „da hinten steigen wirklich schon Wolken auf und wenn wir noch mehr Regen bekommen, bin ich verloren.“
„Sie werden sich ein Paar andere Schuhe kaufen müssen“, sagte der Commerzienrath wohlmeinend, „es wird wirklich das Beste für Sie sein.“