Grinsende Gesichter der Draußenstehenden waren Alles, was man ihr darauf antwortete. „Brrrr!“ riefen wol Einige, in boshaftem Spotte die Locomotive mit einem durchgehenden Pferde vergleichend, und ein Anderer stellte sich hin und ahmte mit den Armen das Arbeiten eines Telegraphen nach, der in gewaltiger Eile irgendeine wichtige Botschaft meldet; aber Mitleiden durfte sie von den Leuten nicht erwarten — noch weniger ihre Schuhe, und wenige Secunden später hatte der Zug die Station weit und unerreichbar hinter sich.
„Herr, Sie sind werth, daß man Sie hinter den Schuhen her würfe“, wandte sich jetzt der Grimm der dicken Frau gegen den entsetzten Commerzienrath, der sich im Anfange noch nicht einmal recht in das Unheil, das er angerichtet, hineindenken konnte, „jetzt kann ich barfußlaufen.“
„Aber ich denke Sie tragen keine Ueberschuhe“, rief der entsetzte Mann, der sich, in der peinlichsten Lage von der Welt, nur noch an diesen letzten Hoffnungsanker klammerte.
„Ueberschuhe — wer redet von Ueberschuhen!“ schrie die Frau, den jungen semmelblonden Mann fest in seine Ecke hineindrückend, „daß der Böse Ihre Ueberschuhe hole; meine Schuhe haben Sie hinausgeworfen.“
„Ihre Schuhe?“ fragte der Commerzienrath in unbegrenztem Erstaunen, während die andern Frauen untereinander lachten und kicherten, „aber wie ist das möglich?“
„Möglich?“ wiederholte die gereizte Dame mit blitzenden Augen, „möglich? Ich hatte sie abgezogen, weil sie mir zu heiß wurden — ich leide an heißen Füßen; jetzt sitz ich in Strümpfen.“
„Aber ich bitte Sie um Gotteswillen!“
„Gehen Sie zum Teufel mit ihren Bitten!“ schrie die gereizte Frau und das Gesicht wurde ihr ordentlich braun in der furchtbaren Aufregung; „nun sitz’ ich hier barfuß und kann mir den Tod holen, bis ich nach Bamberg komme.“
„Aber ich gebe ihnen mein Ehrenwort —“
„Behalten Sie Ihr Ehrenwort und geben Sie mir meine Schuhe?“ schrie die Amazone.