„Mein sehr verehrtes Fräulein, Sie haben jetzt sehr gut lachen, wenn aber Ihre Leber —“

„Mein lieber bester Herr“, unterbrach ihn bittend und schmeichelnd die junge Dame, „seien Sie recht bös auf mich, ich hab’ es nur zu reichlich meiner Undankbarkeit wegen verdient, aber verzeihen Sie mir dann auch, und seien Sie versichert, daß ich wie Oskar nie im Leben die Verbindlichkeit vergessen werden, die wir Ihnen schulden.“

„Bitte, bitte“, sagte der Commerzienrath abwehrend und durch die herzlichen Worte schon vollkommen beruhigt, „aber — Sie erlauben mir die Frage, wie können Sie es jetzt wagen, nach dem gestern Vorgefallenen heute schon nach Hause zurückzukehren? Ihr Herr Vater wird unter so bewandten Umständen unter keiner Bedingung in eine Verbindung mit dem jungen Herrn da einwilligen.“

„Wir sind verbunden“, sagte dieser freundlich, während das junge Weibchen tief erröthete, „und alle Väter der Welt werden diese Verbindung nicht wieder lösen können.“

„In der Geschwindigkeit?“ rief der Commerzienrath erstaunt aus.

„Meiner Frau Onkel, und zwar der Bruder ihres Vaters, der stets gegen die Verbindung mit jenem faden Menschen gewesen, ist selber Geistlicher und hat uns, da er unsere Liebe kannte, gestern Abend miteinander, nach den Gesetzen unserer Kirche, wenn auch ohne die nöthigen Aufgebote getraut.“

„Nun das freut mich in der That“, sagte der Commerzienrath, dem sich damit, auch der Brüder wegen, ein Stein von der Seele wälzte, „das ist Alles recht hübsch und gut, aber ich möchte doch die letzten 24 Stunden, die ich deshalb ausgestanden, nicht wieder mit durchmachen — und wenn ich sechs Heirathen stiften könnte.“

„O das thut mir ja recht leid“, sagte die kleine junge Frau erschreckt, die Hände faltend und mit einem so mitleidigen Blicke zu dem alten Herrn aufsehend, daß diesem ganz weh und weich ums Herz wurde.

„O bitte, bekümmern Sie sich deshalb nicht“, sagte der Commerzienrath, „es war recht gern geschehen —.“

„Wenn ich je im Stande sein sollte, Ihre Freundlichkeit wenigstens in etwas wiedergutzumachen“, rief auch jetzt der junge Mann, „so verfügen Sie ganz über mich, hier ist meine Karte, dürfte ich nun auch wol um Ihren Namen bitten?“