Dort lag Gidelsbach — die Biegung der Straße enthüllte es plötzlich ihren Blicken — jetzt fuhren sie über die Roßbrücke, jetzt am Chausséehause vorüber — da drüben lag der Sommergarten, weiter links nach vorn die Windmühle, und von dem leisen Luftzuge getragen, klangen die melodischen Schläge der alten Thurmuhr, die die Mittagsstunde kündete, zu ihnen herüber.

Dem Commerzienrath traten die Thränen in die Augen, es war ihm als ob er zehn Jahre lang entfernt gewesen wäre, und den Bauern, die aus der Stadt kamen, den zurückkehrenden Holzfuhrleuten nickte er zu und freute sich wie ein Kind über das fröhliche Schmettern der Lerchen, über das Schnattern der Gänse und das Kläffen der Hunde, die neben dem Postwagen hersprangen.

Jetzt rasselten sie durch das steingewölbte alte Stadtthor auf das Pflaster der Stadt, wo er jede Firma kannte, und wie er sich aus dem Wagen bog, die lieben befreundeten Plätze wiederzubegrüßen, war das erste bekannte Gesicht, das ihm begegnete, das des Doctor Mittelweile, der ihn anstarrte, als ob er einen Geist gesehen hätte.

„Commerzienrath, sind Sie des Teufels?“ rief er in Schreck und Staunen, mitten auf der Straße stehen bleibend; der Commerzienrath erwiderte aber kein Wort, nickte dem Manne nicht einmal zu, und die Post rasselte weiter, ihrem Bestimmungsort zu.

An dem Postgebäude angelangt und von den Postbedienten auf das freundlichste begrüßt, stieg er aus, ohne sich auch nur mit Wort und Blick um die übrigen Passagiere zu bekümmern, gab Einem der Leute den Auftrag, sein Gepäck augenblicklich in die eigene Wohnung zu schaffen, und schritt dann, so leicht als ob er flöge, die schmale Gasse entlang, die zu seiner Heimat führte.

Dorothee hatte heute natürlich gerade den Vetter zu Tische, und als der Commerzienrath ohne anzuklopfen in sein Zimmer trat, schrie sie blos: „Alle guten Geister loben Gott den Herrn!“ und ließ einen Teller mit Suppe fallen.

„Guten Tag, Dorothee!“ sagte der Commerzienrath, ohne von dem Vetter weiter Notiz zu nehmen, „ist mein Zimmer in Ordnung?“

„Jesus meine Zuversicht“, schrie die alte Haushälterin, die Frage nicht einmal hörend, „der Herr Commerzienrath sind schon wieder da?“

„Ist mein Zimmer in Ordnung, Dorothee?“

„Ja wol, ja wol, bester Herr, aber was um Gottes Willen ist denn vorgefallen?“