Unter solchen Umständen konnte es auch nicht fehlen, daß die Sache selber Martin, als der Hauptperson, zu Ohren kam. Zuerst fielen einzelne Andeutungen, dann wurde er direkt von Einigen der am wenigsten Rücksichtsvollen offen damit geneckt, zeigte aber auf keine Weise, daß er sich dadurch getroffen fühle, sondern ging weit eher auf den Scherz ein und lachte darüber. Aber das Gerücht setzte sich fest. Bald gab es keine einzige Wohnung mehr im ganzen County, wo man nicht auf das Bestimmteste wußte, daß Martin „seiner Frau durchgebrannt wäre,“ und sobald irgend ein Jäger zu einem Platz anritt, wo er sich befand und seiner ansichtig wurde, lautete auch die stete, unausweichliche Frage:

„Halloh Martin, wie gehts, alter Junge? Lange Nichts von Eurer Frau gehört, heh?“

Es unterliegt wohl kaum einem Zweifel, daß Martin, obgleich stark von Gliedern und sonst gesund, mit seinen geistigen Fähigkeiten weit hinter seinen Körperkräften zurückgeblieben war. Es mußte irgend wo in seinem Hirn „eine Schraube los sein,“ und er gehörte möglicher Weise zu jenen zahlreichen Individuen, die ruhig und ungestört an der unmittelbaren Grenze des Wahnsinns durch das Leben gehen, so lange der eigentliche Nerv nicht berührt wird, der ihre Tollheit zum Ausbruch bringt. Ihr Charakter zeigt sich allerdings in oft kleineren, oft größeren Excentricitäten, und man nennt sie „überspannt“ oder „Originale“. Die Meisten von ihnen leben auch so hin, bis sie der Tod abruft und ahnen vielleicht eben so wenig wie die, welche mit ihnen in nächster Nähe verkehrten, welcher Gefahr sie Beide ausgesetzt gewesen, und deren Ausbruch nur an einer Zufälligkeit, wie an einem seidenen Faden hing. Bei Anderen — Wenigen, Gott sei Dank! — bricht aber der Teufel, der in ihnen schläft, einmal plötzlich los und sie enden ihr Dasein in einer Zwangsjacke.

Ich selber hatte Martin immer in Verdacht, daß es mit ihm „nicht ganz richtig“ sei, und sein wunderliches Benehmen entschuldigte oder rechtfertigte auch wohl einen solchen Glauben, aber ich wurde auch wieder irre daran, wenn ich sah, wie verständig und ordentlich er sich in jeder anderen Hinsicht benahm. Nur dies Weglaufen aus der Arbeit konnte er nicht lassen, und er verschwand dann auch bald plötzlich wieder aus unserer Gegend, wobei ich Willis im Verdacht hatte, daß er diesmal die Ursache gewesen, da Jenem wohl die Neckerei zu arg geworden.

Auch Willis verließ bald darauf die range, denn das Klima sagte ihm nicht zu, er bekam das kalte Fieber, jene fatale Plage der Sümpfe, und zog ab, um sich einen gesunderen Aufenthaltsort für seine künftige Heimath zu suchen. Wie er äußerte, wollte er einmal nach den Ozark-Gebirgen hinüber, welche Gegend auch bei uns oft, ihres Jagdreichthums wegen, war erwähnt worden.

Martin sollte in dieser Zeit, wie wir von einem Jäger erfuhren, an der andern Seite des Arkansas gesehen sein, schien sich aber dort nicht recht zu gefallen, denn seinem ewigen Weglaufen verdankte er einen unangenehmen Zwischenfall. In der Nachbarschaft war nämlich ein Mord verübt worden, und da unser unverbesserlicher Freund zufällig in der nächsten Nacht seinen bisherigen Arbeitsplatz in altgewohnter Weise heimlich verließ, fiel der Verdacht des Sheriffs auf ihn und er wurde verfolgt und eingebracht. Glücklicher Weise kannte man aber den wirklichen Mörder; seine Unschuld stellte sich deshalb gleich heraus und er kam frei, wollte nun aber auch nichts mehr von der dortigen Gegend wissen und verschwand wieder in der Wildniß.

Ich verließ Arkansas bald darauf, ging nach dem Norden und kehrte erst nach länger als einem Jahr in den alten Staat zurück; diesmal aber auch nicht in die Sümpfe, denn auch mich hatte das kalte Fieber tüchtig abgeschüttelt, sondern in die Gebirge, wo ich einen längeren Aufenthalt zu nehmen gedachte, und dort ausschließlich von der Jagd lebte. Zufällig hörte ich da, daß Willis ganz in der Nachbarschaft einen Platz gekauft habe, und mit seiner jungen Frau und deren älteren Schwester hierher gezogen sei, und säumte nicht, ihn aufzusuchen, wurde auch auf das Freundlichste von ihm begrüßt.

Er hatte sich ein prächtiges Weibchen mitgebracht, und seine Schwägerin, eine junge Wittwe von vielleicht sechs- oder achtundzwanzig Jahren, aber voller Leben und Muthwillen, schien sich schon die Herzen der ganzen Nachbarschaft gewonnen zu haben; man mochte, welche Hütte man wollte, betreten, so hörte man ihr Lob.

„Und wißt Ihr was Neues?“ rief mir Willis zu, als ich kaum meine Büchse in die Ecke gestellt und die „ladies“ begrüßt hatte, „Martin ist wieder in der Nachbarschaft und wir haben einen capitalen Spaß mit ihm vor.“