Mir war das Ganze, wie gesagt, nicht recht, denn Martin dauerte mich. Wo sollte er denn Ruhe finden, wenn er auch noch überall verspottet und geneckt wurde, aber es war eben Nichts zu machen, und die beiden jungen Frauen freuten sich besonders auf den „Scherz“, wie sie es nannten. Ich mußte ihnen auch fest versprechen, Martin, wenn ich ihn zufällig früher zu sehen bekäme, Nichts zu sagen, oder sie würden mir das nie im Leben verzeihen, und ich ließ eben geschehen, was ich doch nicht ändern konnte.

Uebrigens erhielt ich an demselben Abend noch eine besondere Einladung zu Warners, und beschloß also dort keinesfalls zu fehlen. Vielleicht konnte ich dem armen Teufel doch noch beistehen, wenn sie’s eben gar zu arg mit ihm trieben. Jedenfalls wollte ich wissen, was sie vor hatten.

Zweites Kapitel.
Das Klötzeroll-Fest.

In den wilden Urwäldern Nordamerikas herrscht, schon der ganzen Lage der vereinzelten Ansiedlungen nach, ein ziemlich einsames Leben. Die sogenannten „Nachbarn“ wohnen selbst soweit auseinander und sind stets durch Waldstrecken getrennt, daß besonders die Frauen nur in seltenen Fällen Gelegenheit bekommen, ihre Heimath zu verlassen und die nächsten Freunde zu besuchen. Um so freudiger wird daher eine jede ergriffen, wo sich das möglich machen läßt, und dann kann man sich fest darauf verlassen, daß auch Niemand fehlt.

Wird irgendwo ein neues Haus aufgerichtet, so schreibt der Eigenthümer ein „cabin Raising frolic“ oder Fest aus. Soll, wie in diesem Fall, ein Feld geräumt werden, so wird es ein log rolling frolic. Ja sogar im Herbst, wenn der Mais ausgeschält wird, sucht man solche Zusammenkünfte zu arrangiren, und fehlt es an allem diesen, so greifen die Frauen selber zu einem verzweifelten Entschluß und künden einen Stepping frolic an, zu dem natürlich nur die ladies eingeladen werden, um der Hausmutter zu helfen eine Steppdecke fertig zu bringen. Daß sich dann aber Abends die jungen Leute einfinden, versteht sich von selbst, und ein richtiger Tanz mit Jigs und hornpipes beschließt alle diese Feste.

Bei allen arbeiten aber auch die Eingeladenen den ganzen Tag über mit wirklich amerikanischem Fleiß, und nur der Abend bringt erst Lust und Vergnügen.

Die Kost ist dabei einfach genug — Kaffee mit Maisbrod und Speck, aber der Mann setzt einen Stolz darein, daß es bei solchen Gelegenheiten nicht an Wildpret fehlt, und saftige Stücke Hirsch- oder wohl gar Bärenfleisch mit ein paar fetten Truthühnern kompletiren das Mahl. Vor allen Dingen aber muß reichlich Whiskey da sein, den die Damen wenn auch nicht so viel, doch eben so gern und gesüßt trinken, und der Gastgeber hat dafür zu sorgen, daß wenigstens einer der eingeladenen Gäste — wenn er es selber nicht im Stande ist — die Violine spielen kann. Ja, ich habe schon solchen Festen beigewohnt, wo kein einziger Musikus aufzutreiben war, und dann einzelne junge Leute mitten in die Stube sprangen und den Takt des Tanzes mit den flachen Händen auf ihren Knieen klatschten, ja nicht eher aufhörten bis sie sich die betreffenden Körpertheile braun und blau geschlagen hatten.

Heute war also ein solcher log rolling frolic, oder auf deutsch ein „Klötzeroll-Fest“, bei Nachbar Warner, der sein altes Wohnhaus durch einen neuen Anbau vergrößern wollte, und nun die ganze arbeitsfähige Nachbarschaft dazu eingeladen hatte.