Im gewöhnlichen Leben der backwoodsmen herrscht nun allerdings die eben nicht sehr hübsche Sitte, daß sich beim gewöhnlichen Mittagsessen, da besonders nur stets sehr nothdürftig Teller in einem Hause sind, die Männer zuerst an den Tisch setzen. Haben sie geendet, so stehen sie auf, um den „Damen“ Platz zu machen, und diese essen dann, sehr unappetitlicher Weise, von den nämlichen, ungewaschenen Tellern. Bei solchen Festen dagegen zeigt sich der backwoodsman galant. Die Damen kommen zuerst, dann erst das stärkere Geschlecht, aber man würde die lady, die vorher von dem Teller gegessen hat, sehr beleidigen, wollte man auch nur einen Versuch machen, ihn, vor erneutem Gebrauch, abzuwischen.
Es war schon fast Tischzeit, als plötzlich, auf einem kleinen muntern Ponny — ihr Bündel vorn am Sattelknopf, wie die anderen Damen, Mrs. Fanny erschien, und von allen Bekannten auf das Herzlichste begrüßt wurde. Martin sah sie, als sie vorüber sprengte; sie selber schien ihn aber nicht zu bemerken, hielt vor dem Haus, glitt aus dem Sattel zur Erde nieder, und wurde dann gleich an das Heiligthum des Heerdes geführt, wo sie sich auch ohne Weiteres die Aermel aufstreifte und wacker mit zu helfen anfing. Ihr Pferd hatte indessen Einer der jungen Leute abgesattelt und in die dafür bestimmte Umzäunung geführt, wo die Thiere gefüttert wurden.
Willis kam an Martin vorbei, gerade als ihn die Dame passirt hatte, und sagte:
„Nun Martin, wie geht’s? wie habt Ihr’s die ganze lange Zeit getrieben: Nichts wieder von Eurer Frau gehört?“
Martin schüttelte mit dem Kopf — „Nein,“ sagte er ruhig — „gehört hab’ ich Nichts von ihr, aber — wer war denn die lady, die da eben vorbei galoppirte?“
„Aha, hat Euch die gefallen? — meine Schwägerin war’s, eine Witwe, deren Mann ihr ebenso abhanden gekommen ist, wie Euch Eure Frau; da sie aber nicht gewiß weiß, ob er noch lebt, darf sie nicht wieder heirathen, sonst hätte sie schon zwanzig vortreffliche Parthieen machen können.“
„Ein hübsches Weibchen,“ nickte Martin — „wie heißt sie denn?“
„Mrs. Fanny nennen wir sie nur, weil sie den Namen ihres früheren Mannes nicht mehr führen will; aber sie wird Euch gefallen. Kommt, wir wollen einmal zu ihr hineingehen und ihr guten Tag sagen. Ihr müßt doch ihre Bekanntschaft machen, schon des Tanzes wegen.“
Martin schien gar nicht gehört zu haben, was er sagte, und sah nur still vor sich nieder; als aber Willis seinen Arm ergriff, ging er geduldig mit ihm dem kleinen, aus Stämmen aufgeführten Hintergebäude zu, in dem Mrs. Warner ihre Küche hatte, und jetzt mit rothem Kopf und feuchter Stirn wirthschaftete. Sie übrigens, wie ihr Mann, waren in Willis’ Geheimniß eingeweiht, und als dieser jetzt mit Martin die Schwelle betrat, rief sie ihm lachend entgegen: