„Hallo! Mr. Willis, soll ich mein Küchenrecht[C] gebrauchen? Gentlemen haben hier Nichts zu suchen.“
„Möchte mir nur erlauben, den Herrn hier jener Dame vorzustellen,“ sagte Willis, „da er die Absicht hat, sie nachher zu Tisch zu führen — Mrs. Fanny, ein Freund von mir, Mr. Martin aus Illinois, der gewünscht hat, Sie kennen zu —.“
Er kam nicht weiter. Mrs. Fanny hatte sich, als er sie angeredet, umgedreht, kaum aber fiel ihr Blick auf Martin, als sie ihn starr ansah, einen Schrei ausstieß, und dann ohnmächtig zusammenbrach.
„Alle Wetter!“ rief Willis lachend aus, denn die Ohnmacht war, wie wir später erfuhren, mit verabredet worden — „das sieht ja beinah so aus, wie eine Erkennungs-Scene — Martin um Gottes Willen, das ist doch nicht am Ende Eure eigene Frau?“
Martin erwiederte kein Wort, aber er stand still und regungslos vor der Ohnmächtigen, die ihre Rolle meisterhaft spielen mußte, denn sie war todtenbleich geworden. Auf einmal nickte er, wie überzeugt von etwas, vor sich hin mit dem Kopf, drehte sich um, trat aus der Küche, und war wenige Sekunden später in dem dicht hinter dem Haus beginnenden Wald verschwunden.
Willis wollte ihn aufhalten, denn es war nicht seine Absicht gewesen, daß der Scherz so rasch zu Ende gehen sollte. Aber weshalb sprang denn seine muthwillige Schwägerin nicht, wie verabredet, empor und hielt den „entflohenen Gatten“ fest? Darauf war ja der ganze Spaß berechnet gewesen. — Und wie blaß sie aussah — ordentlich kreideweiß.
Die Frauen waren indeß herzugesprungen, rieben ihr die Schläfe mit Essig, legten ihr nasse Tücher um die Stirn, und thaten Alles, um sie in’s Leben zurückzurufen. Endlich schlug sie die Augen wieder auf, warf aber einen verstörten Blick umher und schien auf ihren Schwager, der sie erstaunt frug, was ihr denn so plötzlich angekommen sei, gar nicht zu achten. Das dauerte jedoch nicht lange, denn ihr starker Geist hatte sich bald erholt, und mit einem, freilich nur erzwungenen Lächeln, und noch immer ohne Farbe im Gesicht, sagte sie:
„Das ist doch sonderbar — die Hitze hier in der Küche und — mein Pferd war so unruhig unterwegs, daß ich es kaum im Zaum halten konnte, und mich so anstrengen mußte. Ich bin wohl ohnmächtig geworden?“
„Damm it,“ brummte Willis leise vor sich hin, während er die Küche verließ, um sich nach Martin umzusehen, „die Geschichte gefällt mir nicht und ich muß herausbekommen, was dahinter steckt.“