Aber er traf dabei doch auch seine Wahl, und zeichnete vor den übrigen Tänzerinnen besonders Mrs. Fanny aus, die sich kaum zeigen konnte, als er ihr auch gegenüberstand. Nun paßten die übrigen Gäste allerdings bei einer solchen Begegnung besonders auf, und Willis vor Allem beobachtete seine Schwägerin auf das Schärfste — aber er konnte weder bei dem Einen noch bei der Andern eine außergewöhnliche Bewegung oder Aufregung entdecken. — Es waren, allem Anschein nach, zwei Fremde, die sich hier zufällig getroffen und — Beides flinke Tänzer — der Lustbarkeit mit aller Leidenschaftlichkeit, aber sonst auch völlig unberührt davon, folgten.

Aber die wirkliche Ohnmacht vorher — und was war aus seinem beabsichtigten Scherz, von dem er sich so viel versprach, geworden? Er wagte jetzt nicht einmal ihn zu erneuern, seit er schon einen Moment gefürchtet, daß Ernst daraus werden könne. Aber das war nicht möglich — die beiden Leute konnten sich nie vorher im Leben gesehen haben, sie hätten sonst nie so gleichgültig, und nach allen Regeln der Kunst mit einander getanzt. Und was für eine steife, komisch förmliche Verbeugung machte Martin jedesmal seiner Dame, wenn der Tanz zu Ende war, und wie artig — aber auch wie fremd, erwiederte sie dieselbe. Darüber war er auch mit sich im Reinen, nur das wunderte ihn, daß seine, sonst so ausgelassene Schwägerin heute Abend jeden Muthwillen bei Seite gelassen hatte, und selbst nie über die oft grotesken und komischen Bewegungen ihres Tänzers lachte — ja nur lächelte. — Sie blieb ernst, aber auch artig gegen ihn, und Alles, was er sich früher dahin ausgedacht, war total in den Brunnen gefallen.

„Was war denn das eigentlich für ein Spaß, Willis, den Ihr Euch mit Martin machen wolltet?“ frug ich ihn, als er einmal an mir vorüber schritt, und ich lang gemerkt hatte, daß ihm etwas in die Quere gekommen sein mußte.

„Oh,“ erwiederte er verlegen, — „jetzt noch nicht — — später,“ und drückte sich dann wieder um die Tänzer herum, um Martin nur ein einziges Mal unter vier Augen zu sprechen.

Ein fröhlicheres Klötzerollfest hatte es aber noch nicht gegeben, so lange ein Baum in diesen Wäldern gefällt worden war, denn es dauerte gar nicht lange, so schien Mrs. Fanny ihren ganzen Humor wiedergewonnen zu haben. Aber auch Martin ging heute aus sich heraus und erzählte — wenn einmal der Tanz eine Pause machte — so drollige Dinge, daß oft sämmtliche Zuhörer in schallendes Gelächter ausbrachen. Jedes von Beiden bildete sich so einen kleinen Kreis — Mrs. Fanny mit den ladies, Martin mit den Männern; wenn sich aber beide Gruppen auch dann und wann vereinigten, die Beiden hielten sich getrennt, und traten nur einander wieder gegenüber, wenn der Tanz von Neuem begann.

So wurde es spät — viel später, als es noch je bei einem derartigen Fest geworden, und selbst als der Whisky ausgetrunken — sonst das gewöhnliche Zeichen für den Schluß des Vergnügens — wollte das junge Volk noch nicht vom Platz.

Endlich — es mußte schon Mitternacht vorüber sein, drängten Einzelne, die einen besonders weiten Weg hatten, zum Aufbruch, Andere schlossen sich ihnen an, und die Damen eilten jetzt, um ihre verschiedenen Kleider, die sie gewissenhaft heute Abend sämmtlich angezogen und gezeigt, in ihr Bündel zu schnüren, während die jungen Leute, bei dem Licht von rasch hergerichteten Kienfackeln, die verschiedenen Pferde aufsuchten und sattelten.

Das ging sehr rasch von Statten, und die Damen besonders waren bald beritten, wonach die alte Mrs. Warner noch einmal zwischen den Pferden herumging und den Freundinnen die Hand zum Abschied drückte.

Willis hatte sein Thier am Zügel und wollte es eben hinaus auf den Plan führen, als Martin vorbeiglitt und er, rasch und erfreut, ihn endlich einmal fest zu bekommen, dessen Arm ergriff.

„Hallo, Martin — eine Frage — man konnte Eurer ja heute gar nicht habhaft werden. Kanntet Ihr denn die Mrs. Fanny schon von früher?“