„Ich?“ sagte Martin, während ein eigenes Lächeln um seine Lippen zuckte. „Nun natürlich — gewiß kannt’ ich sie!“
„Aber wo habt Ihr sie gesehen?“
„Nun in Illinois, wo wir uns verheiratheten.“
„Den Teufel auch,“ schrie Willis und ließ seinen Arm erschreckt los — „Ihr seid rein verrückt, Martin.“
„Bin ich? — na denn sagt ihr nur, ich hätte jetzt noch kein eigenes Haus, aber es sollte nicht lange dauern, und nachher holte ich sie ab,“ und damit war er, ohne Willis weiter Rede zu stehen, im dunklen Busch verschwunden.
[C] Das Küchenrecht der Amerikanerinnen besteht darin, daß sie, wenn Jemand die Küche betritt, den sie nicht darin haben wollen, einen Schöpflöffel siedenden Wassers an die Decke werfen, und der Eindringling dann machen muß, den heißen Tropfen aus dem Weg zu kommen.
Drittes Kapitel.
Die Folgen eines Scherzes.
Wenn Willis, der sonst so übermüthige und spottlustige Gesell, beabsichtigt hatte, den einfachen Martin heute Abend aufzuziehen und zu necken, so schien dieser den Spieß vollständig umgedreht zu haben, und als Martin ihn schon eine ganze Weile verlassen, stand er noch immer, wie betäubt, von dem eben Gehörten und überlegte sich die Möglichkeit. Die beiden Damen mußten verschiedene Male nach ihm rufen, ehe er sich zusammenraffte, und dann warf er sich in den Sattel und sprengte wie besessen mit ihnen davon. Der scharfe Ritt brachte ihn aber auch wieder zu sich selber — überdieß kamen sie bald in den Hochwald, wo sie, der Finsterniß wegen, schon langsam reiten mußten. Eine Strecke lang hatten sie noch Begleitung von einer in der Nachbarschaft wohnenden Familie — endlich bogen diese ab, und Willis lenkte sein Pferd nun neben das der Schwägerin und wollte von ihr Auskunft über ihr sonderbares Betragen. So ausgelassen lustig Mrs. Fanny aber heute den ganzen Abend gewesen, so schweigend und rückhaltend zeigte sie sich jetzt. Der Kopf that ihr weh, wie sie sagte, Willis solle sie jetzt zufrieden lassen — morgen früh wolle sie über Verschiedenes mit ihm sprechen — heute Abend fühle sie sich zu aufgeregt.
Damit mußte er sich begnügen, und nur seiner Frau erzählte er, als sie allein zusammen waren, was ihm Martin gesagt, und frug sie, was sie über das frühere Leben ihrer älteren Schwester, die selber hartnäckig bis jetzt darüber geschwiegen, wisse. Er erfuhr da aber nicht viel Beruhigendes und eigentlich nur Dinge, die Martins Aussage, wenn auch nicht wahrscheinlich, doch wenigstens möglich erscheinen ließen. Fanny war allerdings vor vier Jahren in Illinois verheirathet gewesen, und lebte jetzt von ihrem Mann getrennt. Derselbe hatte aber nicht Martin, sondern John Hendriks geheißen und war über die Felsengebirge nach Oregon gegangen, auch dort, wie sie später einmal gehört haben wollte, von irgend einer wilden Indianerhorde erschlagen worden. Bestimmte Nachrichten kamen aber aus jener abgelegenen Gegend selten oder nie herüber; es konnte wahr sein, blieb aber immer noch abzuwarten. Ob der Mann sie, oder sie ihn verlassen, hatte sie nie genau erzählen wollen, und überhaupt schien ihr die Erinnerung an jene Zeit so fatal, daß sie stets rasch davon absprang, sowie je das Gespräch zufällig einmal darauf fiel.