Aber die Mädchen hatten keine Ruhe dort und einander so unendlich viel zu erzählen — eigentlich merkwürdig, da sie sich fast wöchentlich bogenlange Briefe schrieben — daß es ihnen in der Laube keine Ruhe ließ und sie jetzt Arm in Arm durch den Garten wanderten, um sich endlich einmal ordentlich auszusprechen. Wir Menschen fühlen ja oftmals das Bedürfniß, besonders junge Damen, die auch an dem Geringsten und Unbedeutendsten ein warmes Interesse nehmen.
„Sag’ einmal, Rosa,“ frug da Elisabeth endlich, die bis jetzt die Stillste gewesen war, denn immer noch suchte sie in ihrem Gedächtniß nach dem Bild des Fremden, und ärgerte sich dabei eigentlich über sich selber, daß ein vollkommen gleichgültiger und fremder Mann ihre Gedanken so in Anspruch nehmen konnte — „was ist das für eine Klara Paßwitz, von der Du vorhin sprachst?“
„Klara? ei die Tochter des Medizinalraths, der auch mit Deinem Vater sehr befreundet ist!“ rief Rosa, „und ein liebes gutes Mädchen — aber ja so, das wollte ich Dir ja noch erzählen, weil Du mich vorhin nach ihrem Bräutigam frugst, der uns an der Landung grüßte.“
„Kennst Du ihn denn, Lily?“ frug Käthchen erstaunt.
„Nein,“ lächelte die Schwester; „aber sein Gesicht muß ich schon irgendwo einmal gesehen haben, kann mich aber nicht besinnen wo, so viel ich mich auch schon deßhalb abgequält habe.“
„Nun, das müßte bei uns in Hoßburg gewesen sein,“ meinte die Schwester. „Vielleicht war er einmal dort zum Besuch.“
„Ich glaube kaum,“ sagte Rosa; „denn so viel ich weiß, ist er erst vor ganz kurzer Zeit von Paris zurückgekehrt, wo er sich durch Spekulation ein bedeutendes Vermögen erworben und sich jetzt hier in der Nachbarschaft — wenigstens nicht so weit entfernt angekauft hat.“
„Und er wird Klara Paßwitz heirathen?“
„Ja, das ist eine wunderliche Geschichte,“ meinte Rosa geheimnißvoll. „Klara kannte ihn fast noch gar nicht, er war nur ein paar Mal, von irgend Jemand — ich weiß nicht von wem — an ihren Vater empfohlen, in ihrem Hause gewesen, hatte aber viel mit dem Vater verkehrt und diesen auch einmal bewogen, ihn mit der Tochter auf seinem Gut zu besuchen — es liegt ein Stück den Rhein hinauf, irgendwo da hinter Godesberg — und von dem Augenblick an schien die Sache zwischen ihm und Klara’s Papa abgemacht zu sein, ohne daß Klara — doch als die Hauptperson — nur besonders darum gefragt worden wäre.“