„Und liebt sie ihn denn nicht?“ frug Käthchen rasch.

„Ja,“ meinte Rosa, sehr altklug die Achseln zuckend, „das ist eine Sache, hinter die ich selber noch nicht recht kommen kann. Manchmal scheint es mir allerdings, als ob sie ganz mit der Verbindung einverstanden wäre, und dann wieder sieht sie so unglücklich aus, als ob ihr das Herz über irgend einem geheimen Gram brechen wolle. In der Stadt sagt man auch allgemein, daß es nur eine gezwungene Heirath wäre, zu der sie ihr Vater gedrängt hätte.“

„Aber er wird doch wahrlich seine Tochter nicht zu einer Heirath zwingen wollen!“ rief Käthchen.

„Er wird sie gerade nicht zwingen,“ meinte Rosa, „aber ihr so lange damit in den Ohren gelegen und von der guten Partie gesprochen haben, bis sie ihn zuletzt heirathet, um nur Nichts mehr von der Sache zu hören.“

„Das wäre auch eine eigene Manier, Jemanden los zu werden,“ lachte Käthchen, „man heirathet ihn einfach.“

„Kennst Du den jungen Herrn näher, Rosa?“ frug Elisabeth.

„Näher? er war ein paar Mal mit Paßwitzens bei uns.“

„Und sind sie schon verlobt?“

„Auch daraus bin ich noch nicht recht klug geworden,“ meinte Rosa; „in der Stadt heißt es allerdings so, Klara weicht aber allen Fragen aus. So viel ist sicher, daß sie die Trauung noch eine Zeitlang hinausgeschoben hat; denn wäre die schon bestimmt, so würde ich es gewiß erfahren haben. Herr von Berger scheint allerdings nicht damit einverstanden; wenn Klara aber einmal ihren kleinen Trotzkopf aufsetzt, ist auch nicht viel mit ihr anzufangen.“

„Das wäre ein sonderbares Verhältniß,“ sagte Elisabeth kopfschüttelnd, „wo sich die Braut vor der Trauung fürchtet und sie so lange als möglich hinauszuschieben sucht.“