„Der Herr Baron,“ lautete die kurze Antwort.
„So? — Berger? — desto besser — und nun komm’, mein alter Freund, jetzt wollen wir einmal den Bären in seiner eigenen Höhle überrumpeln,“ und ohne weiter Notiz von der alten Wirthschafterin zu nehmen, die ihre friedliche Wohnung plötzlich von einem Schwarm geputzter Menschen gestürmt sah, ohne die Macht zu haben, sie zurückzuweisen oder abzusperren, stiegen sie die Treppe hinauf.
Der Professor hatte auch nicht zu viel versprochen — er wußte, in welcher Stube er den Freund zu suchen hatte, und als auf sein etwas derbes und rasches Anklopfen ein erschrecktes „Herein“ antwortete, riß er die Thür weit auf und führte lachend die kleine Armee in die Stube hinein.
Der Medizinalrath saß in der That beim Kaffee. Es war ein kleines hageres, etwas gedrücktes Männchen, dessen Kopf — obgleich er selber kaum fünfzig Jahre zählen mochte, schon eisgraue Haare spärlich deckten; er hob sich auch etwas verlegen aus seinem Lehnstuhl, da er sich plötzlich in seinem Schlafrock und Pantoffeln den fremden Damen, die er nicht gleich erkannte, gegenüberfand. — Was hatte denn nur die sonst so aufmerksame Haushälterin heute gemacht, da sie doch nie Besuch unangemeldet herein ließ?
„Heh! Medizinal- und Sanitätsrath!“ rief ihn aber der Professor freundlich an, „kennst Du uns nicht mehr? wo hast Du denn Deine Brille, Mann?“
„Ja, lieber Professor,“ stammelte der Ueberrumpelte, indem er seinen Schlafrock warm zusammen nahm und die Damen noch immer unsicher anstarrte. Da fiel sein Blick auf den Justizrath, und ihm die Hand entgegenstreckend rief er herzlich und erfreut ihn bei seinem alten Spitznamen auf der Universität — „‚Raps!‘ Junge, wo kommst Du her? und das — das sind doch nicht...?“
„Meine Töchter, alter Schwede,“ lachte der Justizrath vergnügt, „nicht wahr, die Mädel sind herangewachsen? Aber wo ist die Deine? — ah, Fräulein Klara — nun das muß ich sagen,“ setzte er rasch hinzu, „zurückgeblieben sind Sie auch nicht. Sie blühen wie eine junge Rose,“ und ohne weitere Umstände ging er auf sie zu, nahm ihren Kopf zwischen die Hände und küßte sie auf die Stirn.
Jetzt erst bemerkte er den neben ihr stehenden jungen Herrn, der sich mit ihr zugleich vom Stuhl gehoben hatte.
„Ein Freund unseres Hauses,“ stellte ihn der Medizinalrath vor, „Baron Berger, der Bräutigam meiner Tochter, und das, lieber Berger, ein alter Jugendfreund, Justizrath von Hochweiler aus Hoßburg.“