Die beiden Herren verneigten sich gegen einander.

„Und hier,“ fuhr der Professor fort, „da wir doch einmal im Vorstellen sind, um die langweilige Geschichte gleich abzumachen, Fräulein Elisabeth und Katharine von Hochweiler, besagten Justizraths liebenswürdige Töchter — so, jetzt kennen wir einander, und nun, ihr Mädels, steht nicht da wie die Stöcke und fallt euch üblicher Maßen um den Hals.“

„Das hast Du mit dem Herrn Justizrath auch gemacht, Papa,“ lachte Rosa.

„Ich bekenne mich schuldig,“ nickte der Vater, „also da sind wir, Medizinalrath.“

„Herzlich — herzlich erfreut,“ rief dieser, nochmals des Justizraths Hand schüttelnd, „und nun alter Junge, wie geht’s — jetzt erzähle; wir haben uns ja, glaub’ ich, in einer wahren Ewigkeit nicht gesehen.“

Die jungen Mädchen hatten sich indessen schon rascher mit einander verständigt und plauderten zusammen; Elisabeth aber bemerkte bald, daß die Röthe, die Klara’s Gesicht überstrahlte, als sie ihr Vater anredete, nicht ihrem Antlitz natürlich war und rasch wieder verschwand. Sie sah eher bleich und angegriffen aus, und um ihre Lippen lag ein recht weher, schmerzhafter Zug — aber sie war freundlich und lieb, und, wie wir das ja so oft im Leben haben, daß uns der erste Anblick eines Menschen wohl thut, so fühlte sie sich gleich vom ersten Moment ihrer Bekanntschaft hin zu der ernsten und sinnigen Elisabeth gezogen, als ob sie schon seit vielen, vielen Jahren Freunde gewesen wären.

Elisabeth theilte das Gefühl, das in solchen Fällen fast immer gegenseitig ist, und doch war ihre Aufmerksamkeit in dieser ersten Zeit mehr dem jungen Fremden, als der neuen Freundin zugewandt, der sich auch rasch und leicht in ihr Gespräch mischte und die jungen Mädchen bald zu fesseln wußte. — Aber Stimme wie Ausdrucksweise desselben blieben ihr vollkommen fremd, und doch fühlte sie sich von seinem ganzen Wesen angezogen und mußte sich selber gestehen, lange Niemanden getroffen zu haben, der sie so ganz in Anspruch nahm.

Berger zeigte sich auch in der That unendlich liebenswürdig; er war die Aufmerksamkeit selber, und als der Vater endlich zum Aufbruch mahnte — denn sechs Uhr war herangekommen, und der Medizinalrath wurde schon unruhig — glaubten Alle, daß ihnen die Zeit noch nie im Leben so rasch verflogen sei, als diese zwei kurzen Stunden.

Aber man wollte sich wieder sehen, und der Professor, der sich selber in das Gespräch gemischt und Freude daran gefunden hatte, setzte dazu den kürzesten Termin.