„Wie wäre es, meine jungen Herrschaften,“ sagte er, „wenn wir uns gar nicht trennten, sondern heute Abend gleich zusammen blieben? Freund Medizinalrath ist unzurechnungsfähig, der muß pflichtschuldigst in sein langweiliges Kasino und L’hombre spielen, sonst wird er von seiner Partie in den Bann gethan; uns Andere aber bindet kein solcher Zwang, und wenn wir nun Alle zusammen heute Abend in unseren Garten gingen und dort vergnügt eine Tasse Thee — respektive ein Glas guten Wein — tränken, so glaube ich, daß wir uns noch vortrefflich amüsiren könnten. Was sagen Sie, meine Damen?“

„Ach ja, Papa, das wäre zu herrlich,“ rief Rosa rasch und freudig — „nicht wahr, Du gehst mit, Klara?“

„Und Herr von Berger begleitet uns vielleicht ebenfalls?“ setzte der Professor hinzu.

„Sie sind außerordentlich liebenswürdig, verehrter Herr,“ entgegnete der junge Mann, „und ich selber bin viel zu schwach, um einer solchen Verlockung zu widerstehen — vorausgesetzt natürlich, daß ich die Damen in ihrer Unterhaltung nicht störe.“

„Sie können auch boshaft sein, nicht wahr?“ lachte Rosa, „als ob wir so Wichtiges zu verhandeln hätten — und dann gehen wir gleich, nicht wahr, Papa?“

„Ja, Kinder,“ sagte der Medizinalrath etwas verlegen, „das ist Alles recht schön und gut, und Klärchen — aber die alte Bella ist dann ganz...,“ er wollte nicht recht mit der Sprache heraus.

„Ganz allein?“ ergänzte der Professor lachend, „und Klärchen soll doch nicht etwa der alten Person zur Gesellschaft zu Hause bleiben? — das wär’ der Mühe werth. Alter, Alter, laß mich Dich nicht auf einem faulen Pferde erwischen. — Und nun vorwärts, Kinder — Donnerwetter, da schlägt’s schon Sechs — Medizinalrath — mach’ daß Du in Dein Kasino kommst, sonst mußt Du Strafe zahlen.“

Der kleine ängstliche Mann wagte in der That keinen weiteren Einwand, und Klärchen, die rasch ihren leichten Shawl umgeworfen und ihren Hut aufgesetzt hatte, war in wenigen Sekunden gerüstet.

Fünftes Kapitel.
Das Loch in der Hose.

Unten an der Thür begegnete die kleine Gesellschaft allerdings wieder der alten Frau, die hier im Hause nicht allein die Wirthschaft, sondern auch die Herrschaft zu führen schien. Mit eben nicht freundlichen Blicken betrachtete diese den Professor, der triumphirend an ihr vorüberschritt; Berger bog sich aber zu ihr über und flüsterte ihr etwas in’s Ohr, wonach sie freundlicher wurde und ihm zunickte — Elisabeth hatte das bemerkt — dann traten sie hinaus in die sonnige Straße und wanderten lachend und plaudernd dem Garten des Professors zu.