Das Spiel war außerordentlich amüsant, denn Berger kannte, außer den drei erst hinzugekommenen Gästen, alle ziemlich genau. Mit vielem Scharfsinn dabei begabt, wußte er so geschickt zu treffen — nur Elisabeth’s Aufgabe konnte er nicht lösen — daß er fast rund herum Pfänder einsammelte.

Wie er durch war, mußte geloost werden, wer jetzt hinaus solle, um das Spiel von Neuem zu beginnen, und es traf dießmal Elisabeth, die in’s Nebenzimmer ging, während die Anderen die Wahl ihrer Worte verabredeten.

Es dauerte dießmal ein wenig lange, denn daß Berger vorher Alles sogleich errathen hatte, schien die kleine spottlustige Gesellschaft empört zu haben, und man beschloß, dießmal vorsichtiger in der Stellung der Worte zu sein.

„Darf ich hinein?“ hatte die ungeduldig werdende Elisabeth schon dreimal gefragt, und immer tönte es „nein, noch nicht!“ zurück. Endlich schien Jeder mit sich im Reinen, Berger half noch hie und da aus und dann mit den Worten: „Jetzt können wir die arme junge Dame von ihrem Posten erlösen“, sprang er zur Thür, um diese zu öffnen und Elisabeth einzulassen.

Während er zur Seite fuhr, um ihr Raum zu geben, blieb er mit dem Knie an einem der Stühle hängen und bekam einen wohl sechs Zoll langen Riß in das Beinkleid. Rosa hatte es gesehen und rief bedauernd, indem sie zu der Stelle trat: „Siehst Du, Papa, so lange habe ich gepredigt, daß Du die altmodischen Stühle mit den Messingknöpfen abschaffen oder doch neu überziehen solltest — aber Gott bewahre, bis ein Unglück geschehen ist.“

„Nun das Unglück ist dießmal nicht so groß, mein Fräulein,“ lachte Berger, indem er aber doch etwas bestürzt den angerichteten Schaden betrachtete.

„Richtig,“ rief Rosa, zu dem Stuhl niederknieend, „da hab’ ich’s. Der eine Knopf von dem Nagel ist abgesprungen und der scharfe Stift steht lang vor. — Ich bin neulich am Sopha ganz ähnlich mit meinem Kleid hängen geblieben.“

„Machen Sie sich deßhalb keine Sorge, mein Fräulein,“ rief aber Berger, sein Taschentuch um das Knie schlingend, „die Wunde blutet nicht und kann verbunden werden. Lassen Sie uns das Spiel nicht stören; sehen Sie, der Schaden ist schon wieder ausgebessert. Bitte, mein gnädiges Fräulein, fangen Sie an.“

Elisabeth hatte ganz vergessen, was sie sollte. Wie ein Schleier fiel es von ihren Augen — das war der nämliche Herr, den sie am ersten Mai in Hoßburg auf der Promenade gesehen, und zwar mit einem ähnlichen Uebel. Derselbe, der dann in eine Droschke gestiegen war und sein Tuch über das Knie haltend, um den erlittenen Schaden zu verdecken, davon fuhr. — Wo hatte sie bis jetzt ihre Gedanken gehabt, daß ihr das nicht gleich bei seinem ersten Begegnen eingefallen war? Sie erröthete jetzt ordentlich, als sie Berger in diesem Augenblick anredete.

„Mit wem fang’ ich an?“ frug sie zerstreut.