„In der That?“ sagte Elisabeth, jetzt selbst wieder vollständig irre gemacht, „dann hab’ ich mich allerdings geirrt.“
„Aber so mach’ doch, daß Du herumkommst, Lily,“ rief Käthchen, die ungeduldig wurde, „ich vergesse sonst wahrhaftig wieder, an was ich gerade denke.“
Das Spiel hatte seinen Fortgang, aber Elisabeth war sichtlich zerstreut und erst beim dritten oder vierten Fragen konnte sie ihre Gedanken nun so weit sammeln, um nicht gar zu verkehrte Erklärungen abzugeben.
Berger schlug bald darauf ein anderes Spiel vor. Die Herren nämlich mußten sich auf einen Selterwasserkrug setzen und mit einem Fuß über den anderen geschlagen, ein brennendes Licht in der einen, ein unangezündetes in der anderen Hand, das nicht brennende an die Flamme des anderen zu bringen suchen, was zu höchst komischen Stellungen Veranlassung gab, und als sich selbst der Professor dazu entschloß, den Spaß mitzumachen, wollte der Jubel kein Ende nehmen.
Es war fast Mitternacht, ehe sich die kleine fröhliche Gesellschaft trennte, und so amüsirt hatten sich Alle, daß man beschloß, an einem der nächsten Abende wieder hier zusammen zu kommen.
Es mochte zehn Uhr am anderen Morgen sein, als Klara herüber zu Professors kam. Sie hatte, wie sie sagte, gestern Abend ihre Handschuhe entweder hier vergessen, oder unterwegs verloren, und wollte nun einmal nachfragen. Die Handschuhe waren nicht da, aber sie blieb noch eine Weile bei den Freundinnen und ließ sich auch Rosa’s Blumengärtchen zeigen, das diese mit besonderer Sorgfalt pflegte. Rosa war auch stolz darauf und wußte fast von jeder Blume, von denen keine abgepflückt werden durften, eine kleine Geschichte zu erzählen.
Endlich nahm Klara, während Käthchen von Rosa das Okuliren lernen wollte, Elisabeth’s Arm, und die beiden jungen Mädchen gingen langsam in den breiten Wegen des Gartens auf und ab.
„Sag’ einmal, Lily,“ frug da endlich Klara — denn das steife Sie der ersten Anrede war schon lange dem freundschaftlichen Du gewichen, „was ich Dich fragen wollte — hast Du denn Herrn von Berger schon früher gekannt?“
„Nein, mein Herz,“ erwiederte die Gefragte, leise mit dem Kopf schüttelnd. Sie sah dabei sinnend vor sich nieder.