„Ich weiß nicht, wie es kommt, Elisabeth,“ flüsterte da das junge Mädchen, „ich habe Dich gestern zum ersten Mal gesehen, aber mir ist, als ob wir Schwestern wären, — Schwestern, die lange, lange Jahre von einander getrennt gewesen und jetzt erst zusammen kämen, um sich Alles zu vertrauen.“
„Meine liebe, liebe Klara.“
„Das ist ein Gefühl,“ fuhr aber das junge, erregte Mädchen fort, „das wir nicht ungestraft mißachten dürfen, — Du sollst Alles wissen und dann — rathe mir, wenn Du rathen kannst, — wenn nicht, so habe ich doch wenigstens den Trost, irgend Jemanden zu wissen, der mit mir fühlt, der mich begreift und — liebt.“
„Aber Klärchen, wie sprichst Du, hat Dich nicht Rosa auch von Herzen lieb?“
„Ja, aber sie ist zu flüchtig — zu oberflächlich, möchte ich sagen. — Sie hat noch nie, seit sie denken lernte, einen tiefen Schmerz erlitten, — wovor sie auch Gott recht lange bewahren möge — und ihr fröhlicher Sinn schimmert nur in Sonnenlicht und Freude.“
„Und Dein Bräutigam?“
„Das ist es ja gerade,“ seufzte Klara, „was mir so schwer und drückend auf der Seele liegt, ich weiß nicht, ob er mich liebt.“
„Du närrisches Mädchen,“ lächelte Elisabeth, die natürlich glaubte, daß nur eine eingebildete Sorge die Brust der Freundin füllte, „und hat er Dir nicht seine Liebe gestanden und Deine Gegenliebe erbeten?“
„Ja,“ hauchte Klara, „aber nicht, wie ich es mir früher gedacht, wenn ich mir einen solchen heiligen Augenblick im Geist ausmalte. — Mißverstehe mich nicht,“ bat sie rasch, als sie das Lächeln in Elisabeth’s Zügen bemerkte, „ich bin keine träumerische Schwärmerin, die überschwengliche Worte und Empfindungen verlangt und sich verletzt fühlt, wenn das Leben in trockener Wirklichkeit an sie herantritt — nur Herzlichkeit und Gefühl wollte ich haben und — so süß und lieb seine Worte klangen, mit welch’ heißer Beredsamkeit er das Geständniß seiner Liebe in mein Ohr flüsterte, mein eigenes Herz blieb kalt und unberührt.“
„Und doch hast Du ihm Dein Jawort gegeben?“