„Ich weiß es nicht,“ sagte Klara, aber so leise, daß die Töne kaum zu dem Ohr der Freundin drangen, „es ist ein wunderliches Doppelwesen, das in mir lebt — ich fürchte, ich würde mich unglücklich fühlen, wenn ich ihn missen müßte und — fürchte wieder, daß ich mich nicht glücklich fühle an seiner Seite.“
„Aber, liebe beste Klara,“ bat Elisabeth, sie fest an sich ziehend — „sei mir nicht bös, wenn ich Dir vielleicht herbe Worte sage, doch ich kann wahrlich nicht anders — bist Du da nicht wie ein thöricht Kind, das sich mit Grillen plagt, die nicht einmal eine bestimmte Form und Gestalt haben?“
„Ach, wenn Du Recht hättest,“ seufzte Klara.
„Und kannst Du Dir einen vernünftigen Grund nennen, weßhalb Du Deinen Bräutigam, wenn Du ihn je geliebt hast, nicht noch lieben könntest?“
Klara sah sinnend vor sich nieder.
„Einen vielleicht,“ sagte sie, — „er spielt, und ich habe ihn oft gebeten, das Spiel mir zu liebe zu unterlassen, trotzdem ist er wieder, wie ich aus ganz sicherer Quelle weiß, in voriger Woche in Ems gewesen.“
„Das Spiel ist freilich ein böses, böses Laster,“ nickte Elisabeth, „und eine Schmach für Deutschland, daß es noch geduldet wird, aber glaubst Du nicht, daß Du als Frau Macht genug über ihn gewinnen wirst, es zu unterlassen?“
„Nein,“ schüttelte Klara mit dem Kopf, „das gerade ist es, was ich fürchte, daß ich als Frau jede Macht über ihn verlieren werde, denn sein Charakter ist fest und hart wie Stahl, — er mag brechen, aber er wird sich nie biegen, um eine andere Form anzunehmen.“
„Und ist das nicht schön an einem Mann?“
„Ja, gewiß, und das gerade gewann ihm zuerst meine Achtung — später meine Bewunderung und — Liebe.“