„Er spottet über die Religion und weiß, wie weh’ er mir damit thut.“

„Das ist häßlich von ihm.“

„Das Schlimmste von Allem aber ist...“

„Nun, Schatz?“

„Er hat kein Gemüth.“

„Kein Gemüth?“

„Nein, und ich habe schon viele Beweise davon gehabt. Er gibt den Armen, aber in einer Art, daß es den Empfänger mehr verletzen als erfreuen muß, und im Theater, wo wir mehrmals zusammen waren, bleibt er bei den rührendsten Stellen kalt und theilnahmlos — ich habe noch nie eine Thräne in seinem Auge gesehen.“

„Aber liebes Herz, das ist kein Beweis gegen sein Gemüth, sondern nur gegen seine Phantasie.“

„Gegen seine Phantasie?“

„Nun ja. Im Theater siehst Du eine Menge von Menschen und ganz besonders junge Mädchen, kalt und ungerührt bei den ergreifendsten Stellen. Wesen, die keine Fliege können martern sehen, bleiben bei den furchtbarsten Scenen, in denen menschliche Leiden und Leidenschaften auf das Treueste dargestellt werden, — vollkommen theilnahmlos. Uns gerinnt das Blut dabei in den Adern, und sie sehen vielleicht mit lächelndem Auge zu. Aber deßhalb darfst Du nicht glauben, daß ihnen das Gemüth fehlen würde, wenn ihnen im wirklichen Leben etwas Derartiges begegnete und sie selbst oder einen der Ihrigen träfe. Nur dort läßt es sie unberührt, denn sie haben keine Phantasie, um sich hineinzudenken, und nur deßhalb bleiben sie kalt und theilnahmlos.“