„Vielleicht daß Du recht hast,“ seufzte Klara; „aber dann sind seine Gedanken, selbst wenn er bei mir ist, fast immer mit andern Dingen beschäftigt. Er kann minutenlang finster vor sich niederstieren und fährt oft wie erschreckt empor, wenn ich ihm leise die Hand auf die Schulter lege.“
„Aber, liebes Kind, er hat Geschäfte; Du selbst sagtest mir, daß ihn sein Baumeister jetzt gerade ärgert; wer weiß, was ihm noch sonst im Kopf herumgeht, und das darf Dir doch sicher keine Sorgen machen.“
„Ich habe es Dir ja vorhergesagt, Lily, daß es im Einzelnen lauter Kleinigkeiten sind, und Vieles, Vieles läßt sich sogar nicht einmal mit Worten ausdrücken. Wenn das Herz erst einmal mißtrauisch gemacht ist, verletzt oft ein Blick, ein gedankenloses Wort, eine Nichtachtung, die wir sonst vielleicht nicht einmal bemerken würden.“
„Sag’ mir einmal, Klara!“ frug da Elisabeth plötzlich, indem sie stehen blieb und der Freundin fest in’s Auge sah, „lass’ jetzt das, was Dich betrübt und sorgt, daß Berger Dich vielleicht nicht lieben könnte, und beantworte mir die eine Frage wahr und ehrlich — oder beantworte sie Dir vielmehr selber: Liebst Du Berger mit all’ der aufopfernden Zärtlichkeit, die nothwendig ist, um ihm Dein ganzes künftiges Leben zu weihen?“
Klara schwieg und sah sinnend vor sich nieder. Endlich, nach einer langen Pause sagte sie leise: „Ja — ich glaube es.“
„Du glaubst es nur, Klärchen?“
„Ich glaube es gewiß.“
Elisabeth wollte etwas darauf erwiedern, aber in diesem Augenblick kamen Käthchen und Rosa angesprungen, und das Gespräch war dadurch total abgebrochen. Klara konnte auch nicht länger bleiben, ihr Papa hatte sie gebeten, bald wieder zurückzukommen, und die Mädchen trennten sich mit dem Versprechen, einander recht bald wieder zu besuchen.