„Recht bald, liebes, liebes Herz — aber Du mir auch und — noch eins — den Tag Deiner Verbindung zeigst Du mir vorher an, daß ich in der Zeit recht viel an Dich denken kann.“

„Gewiß, gewiß,“ sagte Klara erröthend, „Du sollst die Erste sein, die ihn erfährt, — sobald er erst einmal fest bestimmt ist,“ setzte sie leiser hinzu.

„Bitte um Verzeihung,“ sagte da eine Stimme mit echt jüdischem Accent, „thut mir unendlich leid, daß ich die jungen Damchens störe, — Gott der Gerechte, wie traurig und betrübt und werden wahrscheinlich nur auf acht oder vierzehn Tage Abschied nehmen. — Ja, ja, so ist’s in der Welt, was noch keine Sorgen hat, macht sich welche, und dadurch wird das Gleichgewicht hergestellt, denn die gemachten wiegen gerade so schwer wie die wirklichen, und gehört ein Kenner dazu, um sie zu unterscheiden.“

Die jungen Mädchen hatten sich losgelassen, als Elisabeth aber umschaute, erkannte sie auf den ersten Blick den alten hübschen Juden vom Schiff mit den schneeweißen Haaren, der sie jetzt mit seinen großen schwarzen Augen freundlich ansah und sich ihrer ebenfalls zu erinnern schien.

„Ich glaube, wir sind einander schon begegnet,“ sagte er.

„An Bord des Dampfers,“ erwiederte das junge Mädchen, „wo die beiden Herren das Lied sangen.“

„Ja wohl,“ lächelte der alte Mann, an die Scene zurückdenkend, — „sangen die beiden Leutchen auch einmal eine Melodie, die sonst immer zwei Verschiedene singen.“

„Zwei Verschiedene?“ sagte Lily, schon im Begriff zu gehen, und doch neugierig, was er damit meinte.

„Nu, der Eine war ein Geistlicher,“ nickte der Alte, „und bittet immer von der Kanzel um gut Wetter für die Ernte, und der Andere war ein Getraidehändler, der immer um schlechtes betet, daß die Kornpreise steigen. — Es geht wunderbar auf der Welt zu, und wem soll’s der liebe Gott nun recht machen?“