Elisabeth lachte unter den Thränen vor, die ihr noch in den Augen funkelten, aber die Zeit drängte auch; sie durfte nicht länger säumen, denn ihr Vater wußte sonst nicht, wo sie blieb. Sie reichte Klara die Hand zum Abschied.

„Ich will nicht stören, meine jungen Damens,“ sagte aber der Alte, „wollte mir nur eine Frage erlauben nach einem jungen Herrn, der bekannt ist hier im Haus.“

„Nach einem jungen Herrn?“ frug Elisabeth, der in diesem Augenblick wieder einfiel, daß Berger gerade an Bord viel mit dem Alten verhandelt hatte. Dieser ließ sie auch nicht lange im Zweifel.

„Den Herrn Baron von Berger,“ sagte er, „ist ein reeller, braver Herr, und wir haben manchmal kleine Geschäftcher mit einander.“

„Und was wollen Sie von ihm?“ frug Klara, — der ein schlimmer Verdacht durch die Seele zuckte. — Hatte Ferdinand gespielt und verloren, und vielleicht von dem Manne Geld geborgt? „Ist er Ihnen schuldig?“ setzte sie rasch und bestürzt hinzu.

„Gott soll’s behüten,“ schüttelte der Fremde mit dem Kopf, „ist ein anständiger Herr und macht keine Schulden — nein, nur mit Steincher haben wir ein klein Geschäft, gute, echte Steincher, und hat er mir zum Verkauf eine kleine Partie gegeben, wo sind darunter zwei nachgemachte, — aber so täuschend nachgemacht, daß ich sie selber hab nicht gleich gekannt, und das will viel sagen, — ist jedenfalls damit angeführt, und wie ich ihn wollte sprechen darum, war er nicht da auf seinem Gut, und bin ich gekommen nach Bonn, um ihn hier zu suchen.“

„Er ist im Augenblick in Paris,“ erwiederte Klara, der sich bei der Erklärung des alten Mannes eine Last von der Seele wälzte, — „wir erwarten ihn aber bald zurück. Er wird kaum noch länger als acht Tage ausbleiben; kommen Sie dann wieder hierher.“

Der alte Mann blieb stehen, als ob er noch etwas sagen wollte, ja er drehte sich sogar einmal halb nach der Treppe um, wenn das aber der Fall gewesen, besann er sich eines Besseren, nickte leise vor sich hin und sagte dann freundlich: „So leben Sie denn wohl, meine schönen Dämchen, — werde also die Zeit abwarten, wo der Herr Baron zurückkommen, und wünsche Ihnen bis dahin alles Liebe und Gute, — Blumen auf den Weg und einen blauen Himmel, — Gott beschütze Sie.“

Damit verließ er das Haus und schlug eine Seitenstraße ein, während Elisabeth nun auch rasch Abschied nehmen mußte. Noch einmal umfaßten sich die beiden Freundinnen, küßten sich herzlich, versprachen einander recht bald zu schreiben und viel — viel an einander zu denken, und dann eilte Elisabeth mit flüchtigen Schritten die Straße hinab, die nach des Professors Garten zu führte.

Es war auch die höchste Zeit gewesen; der Justizrath — überhaupt etwas ängstlicher Natur, wo es die pünktliche Einhaltung einer bestimmten Stunde betraf, hatte schon eben wieder nach ihr schicken wollen, — das Gepäck war schon fort und von des Professors Familie begleitet, brauchten sie in der That auch nur kurze Zeit zu warten, bis das „zu Thal“ gehende Boot heranschäumte und sie mit fort, den breiten, prächtigen Strom hinabnahm.