„Sie macht noch ein paar Besuche — doch ich hätte eine Bitte an Dich, über die Du mich vielleicht auslachst.“
„Auslachst? ist sie so sonderbarer Art? was willst Du denn?“
„Darf ich die Akten über jenen unglücklichen Fall einmal durchsehen?“
„Du?“ lachte der Vater in der That gerade hinaus, „Du willst die Akten studiren? Liebes Herz, das ist keine Unterhaltungslektüre für Dich, und nach dem ersten Bogen wärst Du sanft darüber eingeschlafen.“
„Sie sind doch kein Amtsgeheimniß?“
„Geheimniß, nein — leider nicht, denn es steht weiter nicht viel darin, als was die ganze Stadt schon weiß und zum Ueberdruß besprochen hat; das wäre kein Hinderniß, Du fändest Dich aber nicht einmal hinein, wenn ich sie Dir wirklich gäbe.“
„Und doch bitte ich Dich darum, Papa,“ beharrte das junge Mädchen, „Du glaubst nicht, wie ich mich für den Fall interessire — vielleicht nur dadurch, daß die kleine Jeanette so geheimnißvoll bei ihrem ‚bösen Mann‘ bleibt. Nenne es auch meinetwegen Neugierde, aber ich sehne mich ordentlich danach, diese Aktenstücke zu lesen, und gebe Dir dabei das feste Versprechen, mit keinem Menschen weiter darüber zu reden, als mit Dir selber.“
„Meinetwegen,“ lächelte der Vater, „wenn Du denn gar so versessen auf die trostlose Geschichte bist, so sollst Du sie haben, Du mußt sie mir aber morgen, oder spätestens übermorgen zurückgeben, denn sie liegen schon zu lange bei mir im Haus.“
„Nur bis morgen früh Papa.“
„Bis dahin wirst Du sie auch herzlich satt bekommen.“