„Ich habe gar nicht geschlafen, Papa,“ sagte Elisabeth ruhig und legte die Akten auf den Tisch.
„Gar nicht geschlafen?“ rief der Justizrath, „beim Himmel, Kind, wie siehst Du aus? Bleich und übernächtig — ich glaube wahrhaftig, Du hast seit gestern nicht einmal Deinen Anzug gewechselt.“
„Nein, Papa,“ sagte die Tochter, „ich bin die ganze Nacht aufgeblieben.“
„Die ganze Nacht? — über den Akten? — es ist unglaublich — und Du wirst krank werden. Sieh’ Dich einmal im Spiegel.“
Elisabeth sah wirklich sehr angegriffen aus — ihre Augen lagen tief in den Höhlen, ihre Wangen waren bleich und ihre Glieder selbst schien ein Zittern zu überfliegen.
„Mach’ Dir keine Sorgen, Papa,“ sagte sie aber ruhig, „ich bin nicht krank — nur vielleicht etwas aufgeregt, denn ich habe die ganze Nacht gelesen.“
„Die ganze Nacht?“
„Allerdings, und zwar die Akten zweimal durch, von Anfang bis Ende.“
„Kind, das nimm mir nicht übel,“ sagte aber der Vater, „das wäre recht hübsch und lobenswerth von einem angehenden Praktikanten, aber daß Du das —“
„Hast Du einen Augenblick Zeit, mich anzuhören?“