„Dich anzuhören — Du weißt, mein Schatz, daß jetzt meine Arbeitsstunde ist. Können wir nicht, was Du mir zu sagen hast, beim Frühstück besprechen?“

„Was ich Dir zu sagen habe, ist kein Frühstücksgespräch, Papa — es betrifft den vorliegenden Fall.“

„Ich verstehe Dich nicht,“ sagte der Justizrath, mit dem Kopf schüttelnd.

„Erinnerst Du Dich, daß Du gestern äußertest, es gebe Beispiele, wo lang verheimlichte Verbrechen nur durch einen Zufall an den Tag kämen?“

„Allerdings,“ nickte der Vater, „aber was hat das hiemit zu thun?“,

„Willst Du mich ruhig anhören?“

„Setz’ Dich, Kind, setz’ Dich, Du bist so ernst und feierlich, daß ich selber neugierig auf Das werde, was Du mir mitzutheilen hast. Also was ist es? Bitte, sprich.“

„Beantworte mir erst eine Frage, Papa,“ bat Elisabeth. „Ist es Sünde, auf einen vollkommen fremden Menschen den Verdacht irgend eines Verbrechens zu werfen, ohne ganz bestimmte Beweise dafür in Händen zu haben?“

„Mein liebes Herz,“ sagte der Vater, „wenn wir einmal ganz bestimmte Beweise in unseren verschiedenen Rechtsfällen hätten, so brauchten wir fast gar keine Untersuchung. Erst diese ergiebt sie, und ein ausgesprochener Verdacht braucht den Betreffenden — wenn er wirklich unschuldig ist — noch immer nicht zu schädigen — ja im Gegentheil ist es viel besser, er wird laut, um entweder widerlegt oder bestätigt zu werden. Aber gegen wen hast Du Verdacht — denn etwas Derartiges scheint doch aus Deinen Reden hervorzugehen — und wie, in des Himmels Namen, kannst Du einen Blick in diese furchtbare Sache gethan haben, der Du doch bis jetzt vollkommen fern standest?“