„Ich weiß nicht, wie ich beginnen soll, Papa,“ sagte Elisabeth, während ein schwerer Seufzer ihre Brust hob, als ob es ihr am Athem fehle, „aber ich habe in der That einen Verdacht, doch so wild und unbestimmt, daß ich fast fürchte, Dir ihn mitztheilen.“

„Gut,“ sagte der Justizrath, „dann wollen wir den Beamten jetzt einmal bei Seite lassen — ich bin überdieß noch im Schlafrocke, Schatz — und dem Vater kannst Du Alles offen sagen, was Dich drückt. Auf wem also liegt Dein Verdacht?“

„Auf Herrn von Berger,“ sagte Elisabeth mit leiser, fast tonloser, aber doch vollkommen deutlicher Stimme.

„Alle Wetter!“ rief der Justizrath und fuhr in seinem Stuhl empor, „Du bist kühn, Mädel, und greifst mitten hinein in die Masse, um Dir Deinen Mann herauszuholen. Was um Gottes Willen bringt Dich auf den, und wie steht er in der geringsten Verbindung zu dem Mord in Hoßburg?“

„Das weiß ich nicht, Vater — das Letztere wenigstens nicht. Aber höre mich. An demselben Tag — doch Du warst ja dabei, wie er erklärte, nie in Hoßburg gewesen zu sein.“

„Allerdings — und dann kann er hier auch kein Verbrechen verübt haben — selbst wenn er dessen fähig wäre, was ich noch sehr bezweifle —“

„An demselben Tag,“ fuhr Elisabeth fort, „an welchem der Mord verübt worden, ja kurz nach der Zeit selbst, bin ich Herrn von Berger auf der Promenade hier begegnet.“

„Hast Du ihn denn früher gekannt?“

„Nein — er fiel uns damals — mir wenigstens — auf, da er sehr anständig gekleidet, aber sein Beinkleid am Knie zerrissen war, was er gar nicht bemerkt haben konnte. Er trug ein in Papier geschlagenes Paket unter dem Arm, beides auffällig für einen anständig gekleideten Herrn. Gleich darauf nahm er eine Droschke und ich sah ihn erst in Bonn wieder.“

„Und erkanntest ihn nach so flüchtigem Begegnen? Liebes Kind, kann das nicht ein Irrthum gewesen sein? Der Beweis ist allerdings zu schwach, um auch nur einen Verdacht darauf zu gründen.“